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6 (1853)
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vergebens ist der rührende Ernst des Engels! Die Missethatwird vollbracht. Der Engel weicht traurcnd zurück und schweigt.Der Sünder taumelt von Schande zu Schande, und immertrauriger, immer leiser tönt die warnende Stimme des göttlichenBoten, der von ihm weicht.

Sehet den noch unverdorbenen Jüngling: er will den erstenBetrug begehen! Er spricht, aber seine Zunge stockt. Er geht,aber seine Schritte find ungleich und schwankend. Die Verlegen-heit ist in allen seinen Bewegungen sichtbar. Er will seine Augenzu euch cmporhcben, mit welchen er ehemals euch freudig in dasAngesicht sehen konnte; aber er kann den Blick der Gerechtennicht ertragen; er fürchtet, ihr werdet die Unruhe seines Ge«Wissens sehen. Hier kündet sich das warnende Gewissen. Nochwankt der einstige Liebling der Guten; erröthcnd schämt er sichvor seinem unwürdigen Selbst. Er könnte nicht in den Spiegelsehen, ohne es zu verabscheuen. Jüngling, der bisher ein un-beflecktes Herz bewahrte, und stolz und frei mit diesem Herzendurch die Welt ging, daß Männer und Greise in ihrer Verdor-benheit ihn beneiden müssen und du, zartfühlende Tochterguter Acltern, o höret auf die warnende Stimme euresguten Engels, daß er nie von euch weiche! Traget die reineUnschuld eurer Kindheit unbefleckt durch die Welt und durch derenLaster und verdorbene Sitten. Traget sie unversehrt in frommerBrust noch als Männer oder Hausväter, als Weiber und Haus-mütter; o, cs ist der Mühe werth, ihr bringet den Himmel eurerKindheit in die Tage eures hohen Alters hinüber!

Jüngling, siche den entnervten Wollüstling, der die Fülleseiner Gesundheit vergeudete und dem frühen Grabe entgegen-keucht; siehe den Ehrlosen, der bei einem durch Betrug erworbe-nen Vermögen keine frohen Tage hat, weil an dem ungerech-ten Gute ein Fluch klebt; siehe den Mörder, der bleichen An-