100
Das Gewissen lehrt! Es lehrt mit göttlicher Kraft. Esspricht: Thue Dies und meide Jenes, den» es ist recht, undweil es recht ist, sollst du Dieses thun und Jenes unterlassen,nicht aber darum, weil du Vortheil davon haben oder Schandeärntcn könntest. Du sollst das Gute und Rechte thun, ohneauf irgend etwas Anderes dabei zu achten. Du sollst es thun,auch wenn es nicht deinen Nutzen befördert. Du sollst es thun,auch wenn cs dir Schaden verursachen könnte. So sprichtdein Gewissen, so, Mensch, spricht Jesus Christus selbst.Denn wenn du nur das thust, was dir nützet, so hast du dei-nen Lohn dahin. (Matth. 6, 1. 2.) Du warst nur klug, nichttugendhaft.
Das Gewissen warnt!. Wer Mensch ist, hat gefehlt,und wer da fehlte, der hat die Warnungen seines inucrn Richtersempfunden.
Schon als Kinder bei unfern Spielen oder in unfern kleinenhäuslichen Geschäften empfanden wir Bangigkeit, che wir, durchLeichtsinn oder verführende Beispiele, oder durch eigene böseNeigung hingerissen, eine Unrechte That verübten.
Dem Diebe, che er die Hand zu fremdem Eigenthum aus-strcckt; dem Wollüstling, ehe er das Wort der Verführung stam-melt; dem Meineidigen, che er die verbrecherischen Finger zumfalschen Schwur cmporstrcitt; dem Treulosen, che er hingeht,aus Eigennutz oder Rache einen Freund , eine Obrigkeit oder einVaterland zu vcrrathcn — wie heftig pocht ihm das Herz! —Wie furchtbar ernst mahnt das Gewissen ihn von dem Verbrechenab, immer ernster, je näher der Sünder seinem Ziele kommt!
Der Kampf des Menschen mit sich selbst, ehe er zu schlechtenThaten den ersten Schritt thut, der Kampf mit seinem warnen-de» Gewissen, ist gleichsam das Ringen des Menschen mit seinemguten Engel, der ihn fcsthalten und nicht fallen lassen will. Ach,