Druckschrift 
6 (1853)
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

96

10

Die M a t des Gewissens.

2. Üor. 1, 12.

Hcil'ger Gott, inchrs freut auf Erden,

Ohn' ein heiliges Gemüt!)!

Gold und Gut muß Asche werden,

Und der Schönheit Pracht vcrblübt-

Nur ein freudiges Gewissen,

Das vor keiner Schuld erbleich:.

Kann das Leben uns versüßen,

Macht uns selbst das Sterben lcichr.

^.'s tönt m der Brust aller Sterbliche» eine fremde, eine heiligeStimme, und Jeder vernimmt sie, von welcher Religion er auchsei; selbst der Heide, dem nie das Licht der Offenbarung ward.Sie tönt; kein Schmeicheln, kein Unwille, kein Vernünfteln bringtsie zum Schweigen; immerdar ruft sic: Mensch, sei gerecht!

Umsonst treibt sich der Neligionsspötter in frechem Leichtsinnumher, und hält Alles für Werk des Zufalls, den frommen Glau-ben für Pöbclwahn, das Christenthum für einen politischen Zaum,das rohe Bolk zu bändigen; umsonst will er an keine Tugendglauben, sondern achtet sic für Schwärmerei oder Heuchelei; um-sonst will er sich bereden, cs sei Alles gut, was Klugheit, Listund Eigennutz anrathcn; umsonst möchte er einen Gott aus derunermeßlichen Schöpfung, einen vergeltenden Richter über denSterne» hinwcgläugnen, die innere Stimme ruft: Du lügestMensch! Die Erde bebt, und Tempel und Paläste stürzenzusammen; cs sinken ihm zur Seite Freunde erblassend in denSarg, und werden Staub und Erde; im furchtbaren Ansruhrder Elemente rauscht der Donner durch alle Himmel, und die