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ein'vornehmthuendcr Eigendünkel; so wie umgekehrt Bescheiden-heit die Frucht wahrer Einsichten ist. Und was darf man vondem des Vortrefflichen viel erwarten, welcher schamlos genugsein kann, eine Stelle zu bekleiden, deren er durch seine Kennt-nisse und Fähigkeiten, oder durch seine Denkart nicht würdig ist?Und hätte er gegen Gott, Vaterland, Obrigkeit und Mitbürger-schaft kein anderes Verbrechen begangen, als daß er einen Wür-diger» verdrängte, oder hinderte, an diesem Platz nützlich zuwerden: so ist schon dies Verbreche» genug, von dem er einstRechenschaft abzulegen hat.
Wenn sich das Wachsen in Erkenntniß und Weisheit immerzunächst auf unser» Beruf beziehe» soll, ist damit nicht gesagt,daß die Erweiterung der Einsichten ganz allein darauf abzielensoll, uns reichlichere Einkünfte zu verschaffen. Der Mensch istnicht geschaffen, um nichts Anderes zu sein, als Taglöhncr, Hand-werker, Künstler, Gelehrter, Beamter. Er lebt nicht bloß fürbürgerliche Verhältnisse. Er ist ein höheres Wesen, welches seinenBeruf auf Erden überlebt. Der Himmel ist ihm so nahe, alsdie Erde; das Göttliche so unentbehrlich, als die Speise. Wirmüssen das Göttliche in unser» irdischen Beruf hincintragcu; umdies aber zu können, sollen wir vor allen Dinge» erst in Er-kenntniß des Göttlichen wachsen. Den ersten, einfachen Grunddazu legt freilich die Kirche, der Religionsunterricht, welchen wirin der Fügend empfange» und den die Verkünder Zcsn in Aus-legung des göttlichen Wortes fortsctze». Doch dies ist nicht ge-nug. Fn uns selbst muß lebendiges Streben sein, Gott immernäher und näher zu werden, seine Majestät und Herrschaft immertiefer wahrzunchmcn. Ach, wahrlich, kein Buch kann eS schildern,keines Menschen Mund kan» cs aussprcchcn, wie erhaben, wiemachtvoll, wie weise, wie gütig der Schöpfer des Himmels und