ficht des Körpers lautet von uns, daß wir von Gott ihm zumEbcnbilde geschaffen worden sind, sondern in Rücksicht des Geistes;denn Gott ist kein irdisches Wesen. So ist cs denn des Menschenerste Pflicht, daß er sich durch Ausbildung des Geistes und allerseiner wunderbaren Anlagen, durch Erforschung dessen, was wahr,recht und nützlich ist, über die Thicre erhebe, und seine ange-stammte höhere Würde behaupte. So ist cs Sünde, wenn erdnrch Unwissenheit verwildert, roh, abergläubig, unverständigwird; wenn er nicht mehr weiß, als wie er seinen Leib behaglichnähren, zierlich kleiden, schicklich behausen könne, aber von demnichts weiß, was den Mensche» zum höhern Wesen macht, undkeine Erkenntniß von Gott und göttliche» Dingen besitzt.
Es ist keineswegs nothwcndig, daß Einer ein Allwissender seinmüsse. Doch welchen Stand und Berns auch der Mensch in dieserWelt habe, erfindet in jeglichem hinlänglichen Anlaß, die Gabenseines Geistes zu vervollkommnen. Alles, was er thut und treibt,fordert ihn von selbst schon zum Nachdenken auf und zum Weiter-forschen. Aber er muß selbst Sorge tragen, daß ihn das All-tägliche und Gewohnte seines Geschäfts nicht stumpf mache. Erkan» cs verhüten, wenn er bei allem dem, was ihm Unerwartetesoder Neues vorkommt, sagt: woher rührt dies? wie wäre derSache auf den Grund zu kommen? Man muß sich nicht durchdie seichte Bemerkung abwendig machen lassen: aber wozu nütztmir cs, wenn ich es auch weiß? — Alle Erkenntniß des Wahrenist nützlich, auch wenn man damit nicht seine Geschicklichkeit zumunmittelbaren Brodcrwerb vermehrt. Wie Vieles hast du alsKind gelernt, von dem du damals nicht einsahest, was cS dirhelfen könne, und doch kam cs dir nachmals hin und wieder un-vermuthct zu statten! Wie viel hast du von früher Jugend Lndurch Fügung der göttlichen Vorsehung bemerken, sehen, hörenmüssen, was doch Alles für dich nicht vergebens geschah, sondern