richtet, vor dem die Thränen nicht ungezählt fließen, dne dennlasterhafter Sinn erpreßte!
Nicht gedenken mag ich der scheußlichen Verirrung der Ge-fallsucht, wenn sie sich Zuletzt noch in ein Mittel verwandelt,viehische Wollüste zu erwecken oder zu stillen. Und gewöhnlichführt sic dahin! — Hütet euch, die ihr mit Scclculicbe pranget,und von der Unschuld und Reinheit eurer Gefühle überzeugt zusein glaubet, ihr stehet auf der ersten Stufe des verworfene»Wüstlings, der von Verbrechen zu Verbrechen den Gipfel seinerSchande ersteigt. Es ist genug, daß eure Empfindungen Kinderder Leidenschaft sind — diese Leidenschaft stürzt früher oder spätereure Unschuld, eure gegenseitige Achtung, eure Glückseligkeit insGrab. Eine Einsamkeit, ein unbewachter Augenblick: und eureVerzweiflung ist bereitet.
Sind die Wirkungen der Gefallsucht in dieser Hinsicht schau-derhaft, wie jedes Verbrechen — so sind sie, wenn sic auch nichtmit Schandthatcn begleitet wären, jederzeit widersinnig und ent-ehrend. Sic mögen zum Fluche oder zum Spott der Menschenführen, immer ist cs ganz zum Gcgenthcil dessen, was der hofftund beabsichtigt, welcher von dein Wahnsinn dieser Leidenschaftbeherrscht wird. Immer verkündet der Gefallsüchtige einen be-schränkten Verstand oder ein zu größer» Lastern reifes Herz.
Die Gefallsucht des Mannes von später!» Alter — denn nichtleicht wird die langgcwohntc Thorheit vertrieben — ist an sichder Gegenstand des Gelächters, weil sic nicht mehr gefährlichwerden kann. Oft verlieren Männer, welche in andern Rück-sichten schätzbar sein könnten, alle ihnen gebührende Achtung,weil sie thöricht genug sind, sich ihrer Jahre nicht zu erinnern.Ein junger Geck, wie ein greiser, sind gleich verächtlich; aberder letzte am bemitleidcnöwürdigsten, weil keine Hoffnung seinerGenesung mehr bleibt.