Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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unrer denen, welche durch ihren Stand, durch ihre Gfücksum-stände höhere Pflichten, als alle andern ihrer Mitbürger haben,um für die Ehre, für das Glück ihres Vaterlandes zu wirken.Aber ein zierliches Kleid, ein gekräuseltes Haar, hat ihnen mehrWichtigkeit, als das Edelste, was sic für Welt und Nachweltthun können. Eine neue Mode, die ihrer Gestalt vorteilhaftscheint, beschäftigt sie mehr, als die erhabenste Kcnntniß, mitder sie ihren Geist bereichern könnten; der Spiegel ist ihnen lehr-reicher, als das große Buch der Natur, oder als die Werke derersten Weisen. Aeußere Artigkeit, feines Wesen, Höflichkeit giltihnen über alle Kunst und Wissenschaft. Sie leben nur, um alsHalbweibcr den Weibern werth zu sein; der Beifall edler Män-ner, oder deren Unwille, sind ihnen daneben sehr gleichgültig.Sie sammeln aus Romanen, Schauspielen und faden Gedichtenden Schatz ihrer Einsicht, »m in Gesellschaften mit erborgtemWitze zu glänzen; sprechen über Alles mit frecher Selbstgefällig-keit ab, und zweifeln keinen Augenblick an ihrer eigenen Bor-/ rrcfflichkeit, wenn sie die Aufmerksamkeit müßiger, verbildeteroder pflichtvergessener Weiber fesseln können. Wer hat nicht vondiesen Herz- und geistlosen Männcrgcstaltcn schon gesehen, dievon Salben und wohlriechenden Wassern duften; lieber einenFlecken ans der Seele als auf dem Kleide tragen; den ganzenAufwand ihrer Kraft für das Oberflächliche verschwenden; über-all nur den Menschen nach seinem Acußern beurtheilen, und voninnen ohne allen Werth sind?

Was Jesus, der göttliche Weise, von der Gleißncrei undGefallsucht der prahlerischen, das Volk blendenden Pharisäer sei-ner Zeit sagte, das gilt auch von den gefallsüchtigen Halbmän-nern unserer Tage: Wehe euch, ihr Heuchler, die ihr gleich seidwie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen,