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6 (1853)
Seite
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Die zahllosen Täuschungen der jugendlichen Einbildungskraftund des Gefühls erzwingen endlich Vorsichtigkeit und Besonnen-heit. So reift der Verstand. Aus dem Jrrthum entwickelt sichdie Erkenntniß der Wahrheit; schmerzhafte Erfahrungen führen zurWeisheit. Das Kind lernte, was die Vorwclt als das einzigGute pries; der Jüngling ehrte cs; der Mann begreift es,und verwandelt es in sein Eigcnthum. Im Kinde war das Gc-dächtniß vorherrschend zum Lernen; im Jünglingsalter die schöpfe-rische Einbildung und die Empfindung; im Manne der Verstand.

Das männliche Alter ist der Zeitraum menschlicher Vollkraftdes Handelns, des Schaffens, des Ausführcns früherer Entwürfe.Erhaben über die Schwärmereien der Jugend, würdigt der Mannmit richtiger»! Blicke die Verhältnisse der Dinge.

Aber das männliche Alter ist nicht das eigentliche Ziel unsersDaseins denn warum würde unser noch das Greisenaltcrharren? Der Mann soll wirken, aber nicht für die wenigenJahre, da er sich in der Fülle seiner körperlichen Kraft und desVerstandes reifer fühlt. Er treibt ein Gewerbe, er bekleidetein Amt, er strebt nach großen» Vermögen, nach Ansehen unterSeinesgleichen. Das Alles soll er. Innere Triebe und äußereNothwcndigkcitcn zwingen ihn. Allein er hatte wahrlich nichtdarum eine so langwierige Jugend und Lehrzeit leben müssen,um ein Amt zu bekommen, das er i» vielleicht wenigen Jahrennicht mehr besitzt; um ein Gewerbe zu treiben, das ihn vielleichtbald brodlos läßt; um Ansehen und Einfluß zu gewinnen, dessener durch widrige Verhältnisse schnell verlustig gehen kann; umGeld zu sammeln, das er, noch che er alt wird, schon fremdenHänden vererben muß. Wer dies glaubt, hat die höchste Lehreder Weisheit noch nicht gelernt, so viel er auch gelernt habe:daß der unsterbliche Geist der Zweck vom Leben sei, nicht aberdas bunte Spiel des Vergänglichen außer ihm.