Mgendlichc Mensch aber schwingt sich gegen die Znknnft. Nichtsgenügt ihm. Er will das Beste, das Höchste. Die Gegenwartbeut es nicht: er erwartet es von der Hand der Zeit, die nochnicht ist. Er sängt zum erstenmal an, sich über das Irdische zuerheben aus eigener Kraft. Was ewig ist, darnach beginntsein Sehnen. Sein Geist wird thätig i» der Mitte von Ge-fühlen. Als Kind hat er wohl gelernt, was wahr, was edel seiund schön; setzt aber ergreift ihn die Wahrheit, begeistert ihn dasEdle, entzückt ihn die Schönheit. Die Empfindung des Schonen,unbekannt dem Thicrc, wird eine neue Leiterin seines Geistes —fie leitet ihn zur Tugend, zur Ausdauer, zum göttlichen Sein.
Daß der Jüngling, daß die Jungfrau häusliche Geschicklich-keiten, Künste, Handwerke und andere für das bürgerliche Lebennützliche Verrichtungen erlernen oder sich darin einübcu, wärewohl der schlechteste Zweck dieses Lebensalters. Wozu dieseMühen, die ein früher Tod zwecklos machen kann, oder mancherandere Unfall vereitelt? Nicht das Irdische ist die Hauptsache,sondern der Geist und sein erweitertes Leben. — Die Ehe, dieFortpflanzung des Geschlechts selbst, werden nur neue Reizmittelzur Thätigkeit des höher» Seins in ihm. Er bcurtheilt, er prüft,er macht Entwürfe, er versucht. Hohe Ziele schweben ihm vor,die er selten erreicht, und die darum doch nicht vergebens waren.Denn se erhabener seine Sehnsucht, desto größer ist die Anstren-gung seiner Kräfte nach der lieblichen Ferne. So wollte cs dieGottheit. Nicht das Ziel, welches der hochschwärmcnde Jugend-geist auf Erden erfassen will, sondern die dafür gemachte Gcistcs-entfaltung, ist der wahre Zweck der Natur. So verheißt dieMutter dem fleißigen Kinde ein Spiclwerk zur Belohnung. ZurErhaltung des Geschenks, dem Ziele des Lernens, bietet dasKind allen Fleiß des Geistes in sich auf; aber eben dieser Fleißdes Geistes war der Zweck der weisern Mutter.