Druckschrift 
6 (1853)
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22 . -

mühungcn aus, Belustigung zu schaffen. Das Unglück ist keinGegenstand des vergnügenden Scherzes.

Am unerlaubtesten und sträflichsten aber ist jederScherz, welcher gewissenlos und leichtsinnig mitehrwürdigen und heiligen Dingen getrieben wird.Wer dessen spotten kann, was allen guten Menschen, waö gan-ze» Völkern theucr ist, erklärt und beurkundet mit dem verbre-cherischen Spaß seine eigene Verworfenheit. Und diese Verwor-fenheit, diese Ruchlosigkeit der Sitte und Denkart ist in unsereTagen leider so selten nicht. Wir finde» sic meistens unter rohe»,unwissenden, pöbelhaften Menschen, deren Begriffe und Gefühlefür das Heilige zu stumpf sind; oder bei solchen Menschen, derenVerstand, Geschmack und Herz in der sogenannten aufgeklärtenseinen Welt durch Verbildung zu Grunde gerichtet worden find.

Wie sich gewöhnlich in der Natur und im Leben die Außcn-cnden der Dinge, das Zuviel und das Zuwenig, berühren, soauch hier. Das schamloseste Sittcnvcrdcrbcn herrscht nur beimrohesten Pöbel, und bei denen, die i» den Künsten der Verfei-nerung am weitesten gekommen sein wollen. Beide können mit derReligion ihren Spott treiben, weil beide darin gleich unwissendfind; beide können über Unschuld, Keuschheit, Schamhaftigkeit,Ehrlichkeit scherzen, an schlüpfrigen Zweideutigkeiten Ve'gnügcnfinden, weil beide gleich tief in ihrer Thicrhcit versunken, und,ohne Erhebung des Geistes, nur Knechte ihrer sinnlichen Gelüstefind; beide können das Elend ihrer Mitmenschen zum Stoff ihresgrausamen Scherzes wählen, weil sic beide gleich herzlos sind,und in der allernicdrigsten Selbstsucht jedes rcinmenschliche Ge-fühl erstickt haben.

Es fehlt freilich nicht an Thoren, die, ohne noch ganz ver-dorben zu sein, aus bloßer Eitelkeit den frechen Scherz Anderernachäffen und ihn mitmachen, um für geistreich, über Vorurtheile