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6 (1853)
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Der Scher; ist ein Streben, vermittelst belustigender EinfälleFröhlichkeit und Lächeln zu erregen. Das Belustigende aber,oder was zum Lachen reizt, ist gewöhnlich das sich selbst Wider-sprechende in den Vorstellungen und Absichten der Menschen mitdem, was sic beginnen; cS ist folglich die Wahrnehmung unser-seits von einem Mangel richtigen Urthcils bei Andern, oder daßwir dem Andern solchen Mangel des UrtheilS, solchen unwissent-lichen Selbstbetrug Zutrauen. Daher finden viele Menschen Ver-gnügen daran, Andere zu täuschen, um an ihrem Jrrthum undZwiespalt zwischen Gedanken und That das Lächerliche wahr-zunehmen. Darauf haben mehr oder weniger fast alle unschul-digen Neckereien, alle zur Belustigung Anderer vorgcnommencnVerkleidungen, alle Nachahmungen fremder Sonderbarkeiten Be-zug. Und daher wird Manches, das in der Natur selbst nichtlächerlich ist, weil cs Folge von Erziehung, Gewohnheit, körper-lichem Zustande und andern Ursachen ist, erst in der NachahmungLachen erregend, weil cs zu den übrigen Eigenschaften des Nach-ahmers allzuabstcchcnd. und widersprechend dastcht.

So lange der Scherz von solcher Art ist, daß mehr der Fehler,der Jrrthum oder das Mißverständniß Lachen erweckt, als diePerson selbst; so lange die Person, wenn auch ihr wirklicheroder scheinbarer Zrrthnm, den sic hat oder von sich in Andernerweckt, Lachen erzeugt, dabei dennoch von der Achtung nichtscinbüßt, welche sic von uns fordert, oder die wir ihr freiwilligzollen: eben so lange darf der Scherz unschuldig genannt wer-den. So lange der Scherz keinen Verdruß erweckt, oder nichtaus Verdruß über Andere entspringt: eben so lange darf er harm-los genannt werden. So lange der Scherz, weit entfernt,pöbelhaft oder ekelerregend zu sein, oder das Heilige und Gutezu verkleinern, vielmehr auf Belehrung und zarte Anregung sitt-licher Gefühle hinleitct: eben so lange ist er edel zu nennen.