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6 (1853)
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Der unschuldige, harmlose und edle Scherz ist aber die feinsteWürze geselliger Unterhaltungen, so wie er selbst nur die zartesteMüthe eines liebenswürdigen Geistes ist. Aus eben dieser Ursachesind anständige und das Lächerliche der menschlichen Fehler hcr-vorhcbcndc Satiren oder Spottschriften sehr belehrend, und wohl-thucndcr zuweilen, als die ernsthaftesten Predigte» wider dengleichen Fehler; so wie hingegen Schmähschriften, ans Haß undRache oder Neid gegen einzelne Personen und Stände verfertigt,jedes rechtschaffene Herz empören. Aus gleichem Grunde ist dieSchaubühne, als eine Lehrerin guter Sitten, ehrwürdig, indemsic das Tadclnswcrthe menschlicher Handlungen überhaupt lächer-lich und damit verächtlich macht; hingegen ist sic von keiner gutenObrigkeit zu dulden, wenn sic menschliche Thorhcitcn adeln, oderLeidenschaften liebenswürdig darstcllen und Verbrechen rechtfer-tigen will.

Harmlos, unschuldig und edel soll der Christ selbst in seinenScherzen sein. Er darf sich daher nie vom Uebcrmaß seiner muth-willigen Laune verführen lassen, durch seine Einfälle gegen irgendeine Person die Achtung zu schmälern, um Andere auf Kostenderselben zu belustigen. Er darf nie die Person mit dem Fehlerzugleich verspotten und sogar sich selber nicht zum Gegenstanddes Gelächters durch Possenreißern machen, weil er damit seineeigene Ehre und Würde in den Staub tritt. In allen Dingenist das Anständige und Schickliche zu beobachten. Bilde sich Nie-mand ein, die Verletzung desselben sei keine Sünde, weil cs dochnur Verletzung von bloße» Formen, von angenommenen Acußer-lichkcitcn ist, welche bei verschiedenen Völkern verschieden sind,und worüber die heilige Schrift nichts vorgezcichnct hat.

DaS Schickliche und Anständige ist eine der Schutzwaffen,welche der Tugend gegen die Welt nöthig sind, um sich zu ver-theidigen. Wer einmal das Erröthcu vor dem Unanständigen