Druckschrift 
6 (1853)
Seite
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Unsauberkeit angcthan find. Sie heucheln aus Eitelkeit und Ge-fallsucht, was sie in ihrer Wohnung wegen innerer Verderbtheitnicht sein können und nicht sein mögen. Denn wer wird glaubenwollen, daß sie sich zu Hause nur verstellen, folglich schlechterstellen, als sie sind; und daß sic dagegen in der Umgebung vonfremden Personen ihre natürliche Gemüthsart unverhohlen offen-baren ? Oder wer wird sich bereden lassen, daß ihre Aufführungim häuslichen Leben nur eine Wirkung kleinerer Schwachheiten,nur Folge körperlichen Mißbehagens sei, da eben diese LeuteStärke genug haben, so oft sic wollen, ihre Fehler für eine Zeitlang abzulcgen, und, sobald sic in andere Gesellschaften ein-trctcn, der besten Gesundheit genießen?

Inzwischen wird man bei ihnen, auch wenn sic eine noch sogroße Liebenswürdigkeit in Gesellschaften erkünsteln, dennoch alle-zeit die Verdorbenheit ihres Gcmüthes durchschimmern sehen. ESist vergebens, daß sich der Engel der Finsterniß in das vortheil-haftcstc Licht stellt. Seine angenommene Schönheit bleibt einKunstwerk, und behält mehr oder weniger unter der rosenfarbenenSchminke die alte, häßliche Grundfarbe bei. Alle diese ange-nommene Artigkeit und scheinbare Seelcngüte ist nicht Wahrheit,sondern bloße Höflichkeit und geziertes Wesen. Dies fühlen der-gleichen Doppclmcnschcn sehr wohl; darum, was sic nicht durchdie Vortrcfflichkcit ihres Herzens zu gewinnen vermögen, hoffensie durch Anstrengung ihres Witzes, durch den Glanz belustigenderEinfälle, durch Anmuth der Untcrhaltungsgabc, durch Feinheitihrer Anmerkungen zu ersetzen. Und allerdings mag es ihnenleichter sein, vermöge eines lebhaften Verstandes Gefallen zu er-regen , als durch Reinheit und Schönheit des Herzens. Denn dieseReinheit muß erworben werden; da hingegen Witz, Einbildungs-kraft und äußere Gestalt bloße Geschenke der Natur sind.