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Vater, Mutter, willst du deine geliebte Tochter zur liebens-würdige» erziehen, o vertraue sic nicht der fremden, gemiethetenHand, sondern dem eigenen Herzen! Mögen sie etwas wenigerwissen und mehr sein. Ihre kindliche Heiterkeit, ihre durch denAnflug keines unreinen Gedankens entweihte Unschuld, ihre Na-türlichkeiten in den Empfindungen, ihr durch das Gefallen amEdeln gebildeter Zartsinn, die jungfräuliche Hoheit, die dem Ge-fühl der Tugend entsteigt — diese bewahre;'von diesen wehreden Pcsthauch des Sittenvcrderbnisses und die Lockungen desschnöden' Beispiels ab, und du wirst deine Tochter zum Engelerziehen, bestimmt, die Blüthc häuslicher Glückseligkeit mit lie-bendem Ernst, in frommer Selbstaufopferung zu pflegen. AllesAndere wird vcrkünstclndc Kunst, die nur am Aeußern streift,nicht in die Tiefen des Gcmüths dringt.
Willst du von diesen Gcmüthstiefcn aus die Erziehung deinerTochter beginnen, Vater, Mutter — das unfehlbarste, das ein-zigc.Mittcl liegt in der Religion Jesu Christi! Ohne Religion istkeine Wahrheit, keine Liebe, keine Tugend, nur Verstellung, Flit-tcrglanz und verschleierte Leidenschaft; ohne Religion keine Scelcn-schönheit, kein häuslicher Friede, kein Trost in Schmerzen, keinMuth in schweren Stunden, sondern nur Ziererei, Rechthaberei,Herrschsucht, Leichtsinn, Gefallsitchtigkeit, Vernünftelet und ver-zweifelndes Leben.
Ein betender Züngling, eine betende Jungfrau sind mir rüh-render und erhabener, als der betende Greis. Denn dort seheich die Unschuld reden zum Allerheiligstcn.
Lieblich und schön sein ist nichts; aber ein Weib, das denHerrn fürchtet, soll man loben!