Stuhl gebunden, weil er zu schwach war zu stehen, sah Mor-ton in einer Handlung begriffen, die er für Abtrünnigkeit hielt.
„Er hat seinen Abfall vollendet durch Anerkennung derfleischlichen Gewalt des Tyrannen," rief er mit einem tiefenSeufzer. — „Ein gefallener Stern! — ein gefallener Stern!"
„Schweigt!" sagte der Herzog, „und spart Eure Zungefür Euren eigenen Handel. — Ruft den andern Burschenherein, der noch etwas Verstand besitzt. Ein zweites Schafsetzt leicht über den Graben, wenn das erste schon den Ver-such gemacht hat." Ungefesselt, aber von zwei Hellebardierenbekleidet, trat nun Cuddie ein und wurde neben Macbriaran's Ende der Tafel gestellt. Der arme Junge warf einentraurigen Blick umher, in welchem scheue Ehrfurcht vor denvornehmen Herren, Mitleiden mit seinen unglücklichen Gefähr-ten und keine geringe Besorgniß für sein eigenes Heil sich malte.Er machte rechts und links seine bäurische Reverenz und er-wartete die Eröffnung der furchtbaren Scene.
„War't Ihr im Gefecht an der Bothwellbrücke?" war dieerste Frage, die in sein Ohr donnerte.
Cnddie wollte erst längnen, sah aber nach einigem Beden-ken ein, daß die Wahrheit gegen ihn sein würde, und ant-wortete also mit acht schottischer Unbestimmtheit: „Ich willnichts sagen; aber möglich ist's, daß ich dabei gewesen bin."
„Gerad' heraus, Bursche — ja, oder nein! — Ihr wißt,daß Ihr dort gewesen."
„Es schickt sich nicht, daß ich Euer Gnaden Herrlichkeitwiderspreche," sagte Cuddie.
„Noch ein Mal, wart Ihr dort? — Ja, oder uein!" —sagte der Herzog ungeduldig.
„Lieber Herr," sagte Cuddie wiederum, „wie kann flch dennein Mensch genau erinnern, wo er überall im Leben gewesen?"