70
„Herr Balfour," crwiederte Morton ohne Zögern, »ichweiß dieses Vertrauen zu schätzen, und cs ist nicht zu verwun-dern, wenn ein natürliches Gefühl für die erduldeten Leidenmeines Vaterlandes, der eigenen nicht zu gedenken, mich nichtabgeneigt machen, für Gewissensfreiheit mein Schwert zuziehen. Aber ich gestehe Euch, ehe ich eine Befchlshaberstelleunter Euch annehme, muß ich erst über die Grundsätze, aufdie Ihr Eure Sache stützt, besser befriedigt werden "
„Und könnt Ihr an unfern Grundsätzen zweifeln," ant-wortete Burley, „da wir nur die Reformation des Staatsund der Kirche, den Wiederaufbau des verfallenen Hciligthums,die Sammlung der zerstreuten Frommen und die Vertilgungder Sündigen bezwecken?"
„Ich muß offen gestehen, Herr Balfour," crwiederte Mor-ton, „diese Sprache, die bei Andern so wirksam, ist an mirgänzlich verloren. Es ist nöthig, daß Ihr das wisset, bevorwir uns irgend mit einander einlasscn." (Hier seufzte derjunge Geistliche tief auf.) „Ich thue Euch wehe, Sir," sagteMorton, „aber vielleicht nur, weil Ihr mich nicht ausgehörthabt. „Ich verehre die Schrift, so gut als Ihr oder irgendein Christ. Ich lese sie mit der demüthigen Hoffnung, eineVorschrift für mein Handeln und heilsame Lehren aus ihr zuschöpfen. Aber dies hoffe ich durch Erforschung ihres Inhaltsim Allgemeinen und des Geistes, der darin athmct, zu finden;nicht aber, indem ich Stellen ans ihrem Zusammenhänge reiße,oder Ausdrücke der Schrift auf Umstände und Ereignisse an-wende, mit denen sie oft nur in sehr geringem Bezug stehen."
Der junge Geistliche schien durch diese Erklärung wie vomDonner gerührt, und war im Begriff, Einwendungen zumachen.