142
schien und mit alten Trümmern bedeckt war, wo die üppigeVegetation nicht alles überragte. Diese Trümmer lagen imHintergrund der Bay, von beiden Seiten durch steile Ufergeschützt, und wiewohl ste zur Stadt gehörten, so wurde siedoch von dort aus nicht gesehen, und umgekehrt konnte manvon den eingeengten Trümmern auch die Kirchen, Pallaste,Thürme und Festungswerke nicht bemerken, die um sie herum-lagen. Die Ansicht dieses einsamen, dem Anschein nach ver-lassenen, von Trümmern bedeckten und von Cyoressen undanderen Baumen beschatteten Orts, der in der Mitte einervolkreichen Stadt gelegen war, machte auf die Einbildungs-kraft einen starken und unheimlichen Eindruck. Die Trümmerwaren sehr alt und in einem fremden Geschmack. Die rie-senmäßigen Ueberbleibsel eines Porticns, die zersiümmeltenNeste kolossaler Statuen, die jedoch in einem dem griechischenentgegengesetzten Geschmack ansgeführt waren, und die halbverwischten Hieroglyphen, die man hie und da bemerkte,bestätigten das, was das Volk von ihrem Ursprünge er-zählte.
Nach der Sage war dieser Tempel der ägyptischen GöttinCybele errichtet worden, als Las römische Reich noch heidnischwar und Constantinopel noch den Namen Byzanz führte. Esist bekannt, daß der ägyptische Aberglaube, dessen wörtlicheAuslegung gewöhnlich eben so grob ist als die mystische, undnamentlich manches schwärmerische Lehrsystem bei den Römerndie Duldung nicht fand, welche Las polytheistische Systemderselben zu versprechen schien, und daß er sogar durch wie-derholte Gesetze von der Anerkennung ausgeschlossen wurde,die Rom fast alle» anderen Religionen zugestand, wie schwär-merisch und abgeschmackt sie auch sein mochten. Dennoch hattedieser ägyptische Gottesdienst Reize für die Neugierigen und