über seinen Stand erhaben ist? Erlaubet mir, es zn sagen:wir dürfen nicht mit eitcln und albernen Späßen die Zeitverlieren, die der Wohlfahrt des Reichs geheiligt ist, wie eSjeder Augenblick Eurer Muße sein muß."
„Unsere Tochter spricht weislich," sagte die Kaiserin Irene,die, ähnlich den meisten Müttern, die nicht selbst Talents be-sitzen und solche bei anderen zu beurtbeilen ebenfalls unfähigfind, dennoch die Ausbildung ihrer Lieblingstochter bewundernund bei jeder Gelegenheit ausposaunen. „Erlaubet mir zubemerken, daß in diesem heiligen Sitze der Musen, der denStudien unserer wohlgelicbten und hochbegabten Tochter ge-widmet ist, deren Zeder Euren Ruhm, mein kaiserlicher Ge-mahl, bis an's Ende der Welt bewahren wird und dieseGesellschaft, die wahre Blume der Weisheit an unserem er-habenen Hofe, belebt und ergötzet, — erlanbet mir zu sagen,Laß wir durch die bloße Zulassung eines niedrigen Leibwächtersunserer Unterhaltung den Casernenton gegeben haben."
Dem Kaiser Alexius Comnenus war es nun zu Mutb,wie eS manchem Biedermann im gewöhnlichen Leben ist, wennsein Weib eine lange Rede anhebt, zumal da die KaiserinIrene die Unterthänigkeit gegen seine Oberherrlichkeil leichtvergaß, obwohl sie bei anderen mit Strenge darauf hielt.Obgleich eS ihm lieb gewesen war, die trockene geschichtlicheVorlesung der Prinzessin unterbrochen zu sehen, so blieb ihmjetzt nur die Wahl, entweder diese Vorlesung oder die Ehe-standsrede der Kaiserin anzuhören. Darinn begann er seuf-zend: „Verzeihet mir, liebe kaiserliche Gemahlin und purpur-geborne Tochter. Ich erinnere mich, geliebte und hochgelehrteTochter, daß Ihr gestern Abend gewünscht habt, die Einzel-heiten der Schlacht von Lavdicäa gegen die heidnischen Araber,die der Himmel verderbe, kennen zu lernen. Und da wir eigene