WL
225
er seit seiner Rückkehr gewöhnlich bewohnt hatte, blieb Na-venswood an der Schwelle plötzlich stehen.
„Nicht hier," sagte er mürrisch, „zeigt mir das Gemach,worin mein Vater starb — worin sie schlief, als sie auf demSchlosse waren."
„Wer, Sir?" sagte Caleb, der z» sehr bestürzt war, umseine Geistesgegenwart zu behaupten.
„Sie, Lncie Ashton! — wollt Ihr mich tödten, Alter, in-dem Ihr mich zwingt, ihren Namen zu wiederholen?"
Caleb wollte etwas von der Unordnung des Zimmerssagen, aber die sichtbare Ungeduld in den Zügen seines Herrnlegte ihm Schweigen auf, zitternd und schweigend leuchteteer ihm den Weg, stellte die Lampe auf den Tisch des ärm-lichen Gemachs, und war im Begriff, das Bett in Ordnungzu bringen, als ihm sein Herr in einem Ton, der keinen Wi-derspruch erlaubte, gebot, fortzugehen. Der Alte zog sichzurück, nicht zur Ruhe, sondern zum Gebet, und schlich sichvon Zeit zu Zeit zu der Thüre des Gemachs, um zu sehen,ob sich Ravenswood zur Ruhe begeben habe. Er hörte dieschweren Tritte desselben auf dem Fußboden, die von tiefemStöhnen unterbrochen wurden, er hörte es, wie er mit demAbsatz seiner schweren Stiefel den Boden stampfte, und er-kannte in diesen Zeichen die Ansbrüche der heftigsten Ver-zweiflung. Der Alte glaubte, daß der Morgen, den er sosehnlich erwartete, nimmer dämmern wollte, doch die Zeit,die gleichmäßig verfließt, wie flüchtig oder wie zögernd sieauch der menschlichen Vorstellung erscheinen mag, brachte end-lich die Dämmerung herbei, und ließ den weiten Ocean imMorgenrot- schimmern- Es war Anfangs November und dasWetter war heiter für die Jahreszeit. Der Wind hatte wäh-
Die Braut von Lammcrnwor. II. 15