Druckschrift 
16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142

sich ein Krug Doppelael, der eine schottische Pinte hielt, undein Qnegh oder Bieter von Elfenbein und Ebenholz in Sil-ber gefaßt, ein Werk von John Girders eigener Hand nndder Stolz seines Herzens. Anßer diesen Mitteln gegen denDurst war noch hier ein stattlicher süßer Kuchen. Mit diesenVorräthen hätte das Zimmer wohl eine Belagerung von zweioder drei Tagen anshalten können.

Wir haben nur noch zu sagen, daß der Kammerdiener desMarquis den brocatcnen Schlafrock seines Herrn nnd dessenreichgestickte, mit Brüsseler Spitzen besetzte Nachtmütze vonVelvet auf einen gepolsterten, ledernen Sessel legte, der sogegen das Feuer gerollt war, daß man auf ihm den vollenGenuß desselben hatte. Wir überlassen diese wichtige Personder Ruhe, indem wir hoffen, daß er die bequemen Anstalten,die wir so genau beschrieben habe», weil sie uns die altenschottischen Sitten erklären, zu seinem Nutzen anzuwendeuverstand-

Es ist unnvthig, auch das Schlafgemach des Herrn vonRavcnswood im Einzelnen zn beschreiben; der Hausherr und seinWeib pflegten dasselbe gewöhnlich einzunchmen. Es war miteinem hochgefärbtcn, schottischen, dem Rasch ähnlichen Zeuge vonKammwolle wohl behängen. Das Brustbild von John Girderselbst schmückte dies Gemach, cs war von einem hungrigen Fran-zosen gemalt, der, Gott weiß wie nnd warum, auf einer Schmugg-lerbarke von Vlissingcn oder Dünkirchen nach Wolfshopc herüberkam. In der That, es waren dies die Züge des rohen, eigen-sinnige» und doch verständigen Handwerkers, aber Uonsieurhatte sich bemüht, in Blick und Haltung die französische Artig-keit zu legen, was mit dem mürrischen Ernst des Originals sowenig übereinstimmte, daß man das Bild nicht ansehen konnteohne zn lachen. John und seine Familie bildeten sich nicht wenig