Druckschrift 
16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

Zeit, wo er zu derselben Abcndsiunde seinen Vater begleitethatte, als dieser Edelmann dit Wohnung, von der er Namenund Titel herleitete, verließ, um nie mehr dahin zurückzu-kehren. Die ansehnliche Vorderseite des alten Schlosses, aufdaS er, wie er sich erinnerte, oft zurückgeblickt hatte, war da-mals dunkel, wie ein Trauerkleid gewesen. Die nämlicheVorderseite schimmerte jetzt von einer Menge Lichter, vondenen einige unverriickt ihre Strahlen in die dunkle Nachthinaussandten, während andere von einem Fenster znm ande-ren eilten, und das Leben und die Geschäftigkeit ankundigten,welche die durch einen voransgeschicktc» Boten gemeldete An-kunft der Herrschaft verursachte. Dieser Contrast drückte soschwer auf das Herz von Ravenswood, daß er die härterenGefühle, womit derselbe gewohnt mar, den neuen Besitzerseines väterlichen Erbes zu betrachten, zum Theil wieder er-weckte, und seinen Zügen den Ausdruck finsterer Strenge ver-lieh, als er, nachdem er vom Pferd gestiegen, in der Hallestnnd, die nicht mehr sein war, umgeben von den zahlreichenDienern des jetzigen Besitzers.

Der Lord Keeper bemerkte diese Veränderung, als er geradeim Begriffe war, seinen Gast mit der Herzlichkeit zu begrüßen,die ihrem letzten guten Vernehmen angemessen schien; er hieltalso in seinem Vorsatze inne, und empfing seinen Gast mirmit einer tiefen Verbeugung, indem er so die Gefühle desselben,die sich auf seiner Stirne ausdrücktcn, mit Zartheit zu theilenschien.

Zwei Oberbediente, von denen jeder ein Paar große, silberneLeuchter trug, führten nun die Gesellschaft in einen großenSaal oder Nebenzimmer, wo die neuen Veränderungen Ravens-wood einen Begriff von dem Reichthnm der jetzigen Bewohnerdes Schlosses gaben. Die modernde Tapete, die zu seines