Lord von Ravcnswood dem Einsiedler das Geheimniß seinerseltsamen Buhlschaft, und der Vater Zacharias zog den sicherenund gewissen Schluß, daß sein Beschützer durch die Netze desSatans in Gefahren des Leibes und der Seele verwickelt sei.Er bewies dem Baron diese Gefahren mit aller Kraft einer mön-chischen Beredsamkeit, und malte mit den gräßlichsten Farbendie wahre Gestalt der lieblich scheinenden Najade, die er keck einGlied des Reiches der Finsterniß nannte. Der Liebhaber hörte ihnungläubig an, und erst als seine Hartnäckigkeit der des Einsied-lers zu weichen begann, versprach er es, das Wesen seiner Dameauf die Probe stellen zu wollen, und ging in den von Zachariasgethanen Vorschlag ein, daß bei dem nächsten Stelldichein dieVesperglocke eine halbe Stunde später geläutet werden sollte.Der Einsiedler behauptete, indem er de» älallens malelioarum,Lprengerns, iremigins und andere Teufelsgelahrte citirtc, daßdie Teufelin, auf diese Art verleitet, über die bestimmte Zeit zubleiben, ihre wahre Gestalt annehme, und nachdem sic ihrem be-stürzten Liebhaber als ein höllisches Wesen erschienen, in einemschwefclartigen Blitzstrahl verschwinden würde. Raymond vonRavenswood ging auf die Probe ein, nicht ohne Neugier inBezug auf den Ausgang, doch mit dem Vertrauen, daß die Er-wartungen des Einsiedlers getäuscht werden würden.
Die Liebenden kamen zur bestimmten Stunde zusammen, undblieben, da der Pfaffe das Vespergeläute aufschob, über dengewöhnlichen Zeitpunkt der Trennung bei einander- Die äußereGestalt der Nymphe veränderte sich nicht; aber als sie aus demverlängerten Schatten ersehen hatte, daß die Stunde des gewöhn-lichen Vespergeläutes vorüber sei, riß sie sich aus den Armenihres Geliebten mit einem Schrei der Verzweiflung, sagte ihmLebewohl auf ewig, stürzte sich in den Brunnen, und verschwandans seinen Augen. Die Wasserblasen, die ihr Sturz aufregte,