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16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
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Sie saß auf einem Rasensttz unter einer großen und altenHängebirke mit einem Ansdruck von Große und Niedergeschla-genheit, wie wir Judäa dargestellt sehen unter seinem Palm-baum. Ihre Gestalt war groß, gebietend und nur wenig vonden Schwächen des Alters gebeugt. Ihr Anzug, obwohl bäue-risch, war außerordentlich reinlich, und zeichnete sich dadurch,sowie durch eine» Anschein von Nettigkeit und Geschmack vordem der meisten Personen ihres Standes aus. Doch es warvorzüglich ihr Gesichtsansdruck, wodurch fle den meisten Ein-druck machte, so daß sich ihr die Meisten mit einer ehrerbieti-gen Höflichkeit naheten, welche ihre ärmliche Lage nicht zufordern schien, und welche sie selbst mit einer Würde anfnahm,als wenn ihr das von Rechtswegen gebühre. Sie war einstschön, aber ihre Schönheit war kühner, männlicher Art gewe-sen, so daß sie die Blüthezcit nicht überlebte; doch ihre Zügebeurkundeten noch scharfen Verstand, tiefes Nachdenken und einGemüth von gesetztem Stolz, wodurch sie eine Ueberlegenheit,wie bereits bei ihrem Anzug bemerkt worden ist, über ihreStandesgenoffen zu behaupten schien. Es scheint kaum mög-lich, daß ein des Augenlichtes beraubtes Gesicht einen Charac-ter so lebendig ausdrücken konnte; aber ihre Angen, die meistensganz geschloffen waren, entstellten nicht durch ihre erloschenenSterne ein Gesicht, zu dem sie nichts hinzuznfügcn hatten. Siewar in einer nachdenkenden Haltung, durch das Summen desgeschäftigen Schwarmes um sie her zu Zerstreuung aufgelegt,obwohl nicht zu Schlummer.

Lncie öffnete die kleine Gartenthüre, und nahm die Auf-merksamkeit der Alten in Anspruch;Alice, mein Vater istgekommen, Euch zu besuchen."

Er ist willkommen, Miß Ashton, und auch Ihr," sagte dasalte Weib.ihr Hanpt wendend und gegen ihren Besucher beugend.