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16 (1851) Die Braut von Lammermoor
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Entscheidungsgrund, den sie, sich selbst überlassen, nie würdegefunden haben. Jeder Leser hat wohl in einer Familie einsolches sanftes und nachgiebiges Geschöpf bemerkt, das inVerbindung mit kräftigeren und feurigeren Eemüthcrn durchden Willen Anderer gelenkt wird, ohne mehr Widerstand lei-sten zu können als die Blume, welche der Strom dahinrcißt.Gewöhnlich trifft es sich, daß ein so nachgiebiges Gemüth, dassich ohne Murren der Leitung Anderer überläßt, der Lieblingderer wird, deren Neigungen es seine eigenen still und willigaufzuopfern scheint.

Dies war der Fall bei Lucie Ashton. Ihr Vater, ein kalterStaatsmann, fühlte für sie eine Zuneigung, deren Stärke ihnoft auf's Tiefste rührte. Ihr älterer Bruder, der auf demWege des Ehrgeizes mit stolzeren Schritten einherwandelteals sein Vater, hatte auch mehr Gemüth als derselbe. Wie-wohl Soldat und in den Jahren des Leichtsinns, zog er dochseine Schwester Lucie den Vergnügungen und militärischerAuszeichnung vor. Ihr jüngerer Bruder, in einem Alter, woTändeleien vorzüglich den Geist beschäftigen, vertraute ihr seineFreuden und Befürchtungen, sein Waidmannsglück und seineHändel mit Hofmeister und Lehrern- Diesen nichtssagendenMittheilungen schenkte Lucie ein geduldiges und nicht unge-ncigtes Gehör. Waren sie doch vielbedeutend für Heinrich;genug, um Luciens Theilnahme zu fesseln.

Ihre Mutter allein theilte nicht die Vorliebe, womit derRest der Familie Lucie betrachtete. Sie sah in der Geistes-schwäche ihrer Tochter, wie sie sich ausdrückte, einen sicherenBeweis, daß das weniger adelige Blut ihres Vaters in denAdern der Tochter kreise, und sie pflegte dieselbe zum Spottdie Schäferin von Lammermoor zu nennen. Ein so liebes,unschuldiges Geschöpf zu hassen, war unmöglich; aber Lady