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16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
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benutzen, so glaubte man doch, daß sein Ehrgeiz, sei» Strebennach Vergrößerung von Reichthnm und Einfluß einen mächti-gen Sporn in den Ermunterungen seines Weibes fänden, wieihn einst Macbeth bei seinem Wagstücke fand.

Lady Ashton war aus einer vornehmeren Familie als ihrGemahl, ein Umstand, den sie auf's Beste benutzte, den Ein-fluß ihres Mannes über Andere zu erhalten und auszubreiten,und, wenn dies keine grobe Lüge ist, ihren eigenen über ihn.Sie war eine Schönheit gewesen, und noch war sie ein statt-liches, majestätisches Weib. Die Natur hatte sie mit großenGeisteskräften und mit heftigen Leidenschaften begabt, und dieErfahrung hatte sle gelehrt, jene zu gebrauchen, und diese zuverheimlichen, wenn nicht zu beherrschen. Sie war eine strengeund genaue Beobachterin äußerlicher Frömmigkeit; ihre Gast-lichkeit war glänzend bis zur Verschwendung; ihr Benehmenund Betragen» der damals in Schottland herrschenden Sittegenehm, war ernst, würdevoll und streng nach der Etikettegeregelt. Ihr Ruf war immer unangetastet vom bösen Leu-mund geblieben- Aber trotz aller dieser achtungswürdigenEigenschaften sprach man von Lady Ashton nur selten mitLiebe und Zuneigung. Der Vortheil ihrer Familie, wenn nichtihr eigener, schien zu deutlich der Beweggrund ihres Handelnszu sein, und wo dies der Fall ist, da wird die strengrichtende,hämische Welt nicht leicht durch eine Außenseite betrogen. Mansah es wohl, daß Lady Ashton bei ihrem freundlichsten undschmeichelhaftesten Betragen ihr Ziel so wenig aus dem Ge-sichte verlor, als der Falke bei seinem luftigen Kreisen daSscharfe Auge von seiner ersehenen Beute wendet, und darumwurde fle von Leuten ihres Standes immer mit einem gewis-sen Verdacht und Argwohn betrachtet. Bei ihren Untergebenenwaren diese Gefühle mit Furcht gemischt, ein Umstand, der