Druckschrift 
16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

17

In einer besseren und weiseren Seelenstimmung, die Ovidin einem seiner Verse ausdrückt, um sie in dem folgenden zuverleugnen, kann ich auf das Titelblatt dieses Buches schreiben:?srve, nec invicleo, sine me, lilier, ibis in urdem.

Ich theile keineswegs den Schmerz des berühmte» Verbann-ten, daß er das Buch, welches er auf den Markt der Wissen-schaften, Vergnügungen und Ausschweifungen sandte, nicht inPerson begleiten konnte. Gäbe cs nicht tausend ähnliche An-lässe zur Ueberlegnng, das Schicksal meines armen Freundesund Schulkameraden Dik Tintv wäre hinreichend, mich zuwarnen, das Glück in dem Ruhme zu suchen, der sich einemglückliche» Bearbeiter der schönen Künste verbindet.

Dick Tinto war, als er sich Künstler schrieb, gewohnt, seineAbkunft von dem alten Geschlecht der Tintv in Lanarkshire her-zuleiten, und gelegentlich deutete er an, daß er seinem edlenBlute etwas vergeben habe, da er de» Pinsel für sein Haupt-erwerbmittcl gewählt. Wenn der Stammbaum Dicks richtigwar, so müssen einige seiner Ahnen einen desto schwereren Fallgethan haben, sintemal der gute Mann, sein Vater, das noth-wendige und gewiß löbliche, aber sicher nicht ausgezeichnete Amteines Dorfschneiders zu Langdirdum im Westen versah. Unterdem niedern Dache desselben kam Richard zur Welt, und beiZeiten wurde er, obwohl ganz gegen seine Neigung, zu demgemeinen Handwerk seines Vaters angehalten. Der alte MeisterTinto hatte jedoch keinen Grund, sich zu rühmen, den jugendlichenGenius bezwungen, und den natürlichen Hang desselben verändertzu haben. Es erging ihm wie dem Schulknaben, der die Röhreeines Brunnens mit den Fingern stopfen wollte, während derStrahl des Wassers, über den Druck erzürnt, in tausend uner-warteten Schüssen spritzte, und ihn für seine Mühe über undüber benetzte- Eben so erging es dem alten Tinto, wann seinDie Braut vv» Lammermoor. I. 2