Druckschrift 
16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16

Ich bin zu starr in meiner Gewohnheit und z» wenig ge-glättet im Umgang, als daß ich nach der Ehre trachten odergeizen sollte, die meinen literarischen Zeitgenossen angethan wird.Ich wurde mich um keinen Zoll höher schätzen, wenn man michwürdig finden sollte, für einen Winter in der großen Metropolisals Löwe anfzulreten. Ich könnte mich nicht erheben, im Kreisebewegen, und alle meine Auszeichnungen darlegen von der zotti-gen Mähne bis zum buschigen Schweif, euch anbrüllen im Tonder Nachtigall, und so mich wieder niedcrstrecken als ein wohl-gesittetes Schankbier, und das Alles für eine elende Tasse Caffeeund ein waffcldnnnes Butterbrod. Uebel würden mir die eckel-haften Schmeicheleien behagen, womit die Dame des Hauses beieiner solchen Gelegenheit ihre Schanthiere überschüttet, gerade wiesie ihre Papageien mit Zuckererbsen stopft, um sie vor der Gesell-schaft schwatzen zu machen. Alle diese Ehrenbezeigungen könnenmich nicht verführen, den Gaukler zu machen, und lieber wollteich, wäre keine andere Wahl, wie der gefangene Simson all meinLeben in der Mühle bleiben, und mein eigenes Brod mahlen,als den Herrn Philistern und ihren Damen zur Kurzweile die-nen. Der Grund davon ist weder eine wahre noch verstellte Ge-hässigkeit gegen die Aristokraten dieser Reiche. Jndeß sie habenihren Platz, ich den meinen, und wie der eiserne und erdcne Topfin der alten Fabel, so können wir nicht in Berührung kommen,ohne daß ich in jeder Rücksicht den Schaden zu tragen hätte.Anders ist cs mit dem Buch, das ich hier schreibe. Man mages öffnen und weglegen nach Belieben; belustigt es die Großenbeim Lesen, so erregt dies keine trügerischeHoffnnng; wird esvon denselben vernachläßigt oder verurtheilt, so wird dadurchkein Leid zugefügt. Wie selten aber können die Großen Um-gang habe» mit denen, die für ihre Ergötzung sich anstrengten,ohne das Eine oder das Andere zu thun!