Druckschrift 
16 (1851) Die Braut von Lammermoor
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

1

7

Der gläubige Mr. Law sagt im Allgemeinen, daß der LordPräsident Stair eine Tochter gehabt habe, welche, nachdemsie verheirathet worden, in der Brautnacht ihrem Bräutigamentrissen, und durch das Haus geschleift worden sei (von bösenGeistern, wie zu verstehen gegeben wird), und daß sie balddarauf gestorben sei. Noch eine andere Tochter, sagt er, warvon einem bösen Geist besessen.

Mein Freund, Mr. Schärpe, gibt einen andern Berichtvon dem Ereigniß. Nach ihm war cs der Bräutigam, der dieBraut verwundete. Die Heirath war dieser Erzählungsweisegemäß gegen die Neigung der Mutter gewesen, die ihre Ein-willigung in den bedeutungsvollen Worten gab: Du magstihn heirathen, aber bald wird es dich reuen.

Ich finde noch einen anderen Bericht, dunkel angegeben, ineinigen höchst gemeinen und pöbelhaften Versen, von derenOriginal ich eine Abschrift habe. Die Ueberschrift sagt, daßdiese Verse gemacht worden seienauf den letzten VicomteStair und seine Familie von Sir William Hamilton vonWhitelaw. Die Randglossen von William Dunlop, Schreiberin Edinburg, Sohn des Lairds von Househill und Neffe desgenannten Sir William Hamilton." Zwischen dem Verfasserdieser Schmähschrift und dem Lord Präsident Stair herrschtebitterer persönlicher Streit und Eifersucht, und das Pasquill,das mit weit mehr Bosheit als Kunst geschrieben ist, führtfolgendes Motto:

StairS Hals, Herz, Weib, Söhn', Enkel und was dessen

Sind schief, falsch, Hexe, Bälg', Mörder und besessen.

Dieser boshafte Pasquillschreiber, der alle Unglücksfälle derFamilie aufdeckt, vergißt nicht die verhängnißvolle Hochzeit vonBaldoon. Er scheint, obwohl seine Verse eben so dunkel, alsunpoetisch sind, anzudeuten, daß die dem Bräutigam zugefügte