Grund haben mochte, sich über Rothsay zu beklagen, seinfurchtbares, unerwartetes Ende erschütterte die edle Lady tiefund sie brachte die Nacht größtentheils damit zu, daß sie ih-rem Schmerze nachhing und im Gebete lag.
Am nächsten Morgen, dem des denkwürdigen Palmsonn-tags , ließ sie Katharina Glover und die Sängerin vor fichkommen. Der Muth der beiden jungen Mädchen war sehrgesunken und erschüttert durch die schrecklichen Auftritte, inwelche sie jüngst verwickelt gewesen, und die äußere Erschei-nung der Herzogin Marjory war, gleich der ihres Vaters,mehr geeignet, Furcht einzuflößen, als Vertrauen. Sie sprachtrotz ihres Schmerzes sreundlich und erfuhr von Jenen Alles,was sie in Bezug auf das Schicksal ihres verirrten, unbeson-nenen Gemahls zu erzählen hatten. Sie schien dankbar fürKatharinens und der Sängerin gefahrvolle Bemühungen,Rothsay von seinem entsetzlichen Schicksal zu retten. Sie ludsie zur Theilnahme an ihrem Gebet ein und um die Zeit desMittagsmahles bot sie Beiden ihre Hand zum Kuß und über-ließ sie ihrer eigenen Erholung mit der Versicherung ihreswirksamen Schutzes, besonders für Katharinen, der, wie siesagte, auch ihres Vaters Schutz mit cinschlöfse, und eineMauer für Beide sein würde, so lange sie selbst lebte.
Sie verließen die verwittwete Prinzessin und nahmen einMahl mit ihren Fräulein und Ladies, die alle in ihrer tiefenTrauer einen gemessenen Ernst zeigten, der das leichte Herzder Französin erkältete und selbst dem ernsteren Charakter derKatharina Glover Zwang auslegte. Die Freundinnen, dennso dürfen wir sie nun nennen, sahen cs daher gern, der Ge-sellschaft dieser Personen, die sämmtlich geborne Edeldamen,entgehen zu können, weil dieselben eine Bürgerstochter undeine wandernde Sängerin für schlechte Gesellschaft hielten und