„Ich verstehe Dich, Katie," sagte er;'„Du bist gekommen,um zu beichten, und ich hoffe, Du wirst einer schweren Bußedurch Aufrichtigkeit entgehen wollen."
Katharina schwieg einen Augenblick.
„Ich brauche nicht zu fragen, mein Vater, ob Ihr Euchdes Karthäusermönchs Clemens und seiner Lehren und Predigtenerinnert; Ihr standet ihm in der That so oft darin bei, daßIhr wohl wissen müßt, daß Euch die Leute einen seiner Be-kehrten, und mit größerem Rechte auch mich also nannten."
„Ich weiß Beides," sagte der alte Mann, sich auf denEllbogen stützend; „aber ich fordere das schnöde Gerüchtheraus, zu beweisen, daß ich je seine ketzerischen Ansichten an-nahm, obwohl ich gern seine Reden hörte über das Verderb-niß der Kirche, der Übeln Herrschaft der Edelleute, die schmach-volle Unwissenheit der Armen, wenn er, wie es mir schien,bewies, daß die ganze Tugend unserS Staates, seine Kraftund Ehre, unter der Bürgerschaft der bessern Klaffe sei, wasich als eine gute, der Stadt vortheilhafte Lehre annahm. Undwenn er nicht die rechte Lehre predigte, warum ließen es ihmseine Obern im Karthäuserkloster zu? Wenn die Hirten denWolf im Schafskleide unter die Heerde werfen, so können siedie Schafe nicht tadeln, wenn sie zerrissen werden."
„Sie duldeten sein Predigen, ja, sie munterten es auf,"sagte Katharina, „so lange die Laster der Laien, die Anmaßun-gen der Edeln und die Unterdrückung der Armen der Gegen-stand seines Tadels waren, und sie freuten sich über das Volk,das, zu der Karthäuserkirche sich drängend, alle andern Klö-ster verließ. Aber die Heuchler — denn das sind sie — ver-banden sich mit den andern Brüderschaften zur Anklage ihresPredigers Clemens, als er von der Schilderung der Verbrechendes Staates auf die Darstellung des Stolzes, der Unwissenheit