202
aber nicht enthalten, zurückzuschen, wie Louise seinen Abschiederlrüge, und war betroffen, als er bemerkte, daß sie auf einBeet gesunken war, die Arme auf den Knieen und das Hauptauf den Armen ruhend, in einer Lage, welche die höchste Ver-zweiflung auSdrückte.
Der Schmied versuchte sein Herz zu verhärien. „'s istAlles Schein," sagte er, „die Dirne kennt ihr Geschäft — ichwill drauf schwören, bei St. Ring«»."
In diesem Augenblicke zerrte Etwas am Saume seines Klei-des, und als er sich umsah, erblickte er den kleinen Hund, dersogleich, als wollte er seiner Gebieterin Sache vertreten, sichauf die Hinterbeine stellte und zu tanzen begann, zu gleicherZeit winselnd und nach Louise zurückschend, als wollte er fürseine verlassene Herrin Mitleiden erregen.
„Armes Thier," sagte der Schmied, „auch Du verstellstDich vielleicht nur, denn Du thust nur, was man Dich gelehrthat. — Doch, da ich dies arme Wesen zu schützen versprach,so darf ich sie nicht in einer Ohnmacht verlassen, wenn eseine ist, geschah' eS auch nur aus Menschlichkeit."
Als er umkehrtc und sich seiner beschwerlichen Bürde nä-herte, erkannte er sogleich an ihrer veränderten Gesichtsfarbe,daß sie entweder wirklich sehr unwohl sei, oder eine Machtder Verstellung besitze, wie sie kein Mann, ja vielleicht keineFrau begreifen könnte.
„Junges Weib," sagte er mit mehr Freundlichkeit, als erbisher an den Tag zu legen vermocht hatte, „ich will Euchoffen sagen, wie es mit mir steht. Es ist heute St. Valentins-tag und der Sitte nach muß ich ihn bei meiner schönen Valen-tine zubringen. Aber Schläge und Streit haben den ganzenMorgen weggenommcn, bis auf eine armselige halbe Stunde.Nun könnt Ihr wohl cinsehen, wo mein Herz und meine Ge-