113
setzt nun, ein ehrbares Mädchen läßt, versteht sich in allerUnschuld, am St- Valentinsmorgen ihr Fenster halb offen, aufdaß ein liebender Kavalier, natürlich in allen Ehren, ihr Va-lentin werden könne; — gesetzt ferner, der Liebhaber werdeentdeckt, — kann sie nicht einen Schrei thun, als hätte siediesen Besuch nicht erwartet, und — und — stoßt Alles diesin einem Mörser und dann erwägt, ob cs ein Stoff sein wird,um die Stadt in Allarm zu bringen?"
Der Apotheker sprach seine Meinung aufdieeinschmeichelndsteWeise aus; aber er schien noch unter sein natürliches Maß ein-zuschrumpfen, als er das Blut in die Wangen des alten SimonGlover steigen und das Gesichtdes unerschrockenen Waffenschmiedsvor Zorn flammen sah. Der Letztere trat vor, warf einen stren-gen Blick auf den erschrockenen Apotheker und brach in -dieWorte aus: „Du wandernves Gerippte! Du schwindsüchtigeMedicinflasche! Du Giftmischer von Handwerk! wenn ich glaubte,daß der Pesthauch Deiner schändlichen Worte dem unbeflecktenRufe Katharina Glovers nur einen Augenblick schaden könnte,so würd' ich Dich in Deinem eigenen Mörser zu Pulver stoßen,elender Quacksalber! und Deinen schlechten Leichnam mit Schwe-felblume zersetzen, der einzigen reinen Medicin in DeinemLaden, um eine Salbe für räudige Hunde daraus zu machen!"
„Halt, mein Sohn Harry, halt!" rief der Handschuhmacherim Gefühle seiner Geltung; — „kein Mensch hat ein Recht,über diesen Punkt zu reden, außer ich. — Ehrenwerther Bai-lie Craigdallie, da man meine Geduld auf solche Weise aus-legt, bin ich gezwungen, der Sache auf den Grund zu gehen,und mag auch der Erfolg lehren, daß wir besser gethan hätten,ruhig zu bleiben, so wird man wenigstens sehen, daß meineTochter weder durch Thorheit, noch durch Leichtsinn Anlaß zudiesem großen Aergerniß gab."
Mädch. v- Perth. I.
S