82
schmied endlich in dem Lehnstuhle, wo er sich niedergelassen,vom Schlaf überwältigt worden. Seine Züge hatten imSchlummer einen fester» und Mannlichern Anstrich, als Katha-rina geglaubt hatte, die ihn bis jetzt immer nur sah, wie erzwischen Schüchternheit und Furcht, ihr zu mißfallen, schwankte,und daher gewohnt war, keinen besonders geistreichen Aus-druck in seinen Zügen zu entdecken.
„Er sieht sehr ernst aus," sagte sie; „wenn er unwilligwerden sollte — und wenn er dann erwacht — wir sind allein— ob ich wohl Dorothee rufe — oder meinen Vater wecke —aber nein, es ist ein hergebrachter Brauch, und wird in allerjungfräulichen und schwesterlichen Liebe und Ehre geübt. Ichwill nicht glauben, daß Harry es mißdeuten könne, und kindischeSchüchternheit soll meine Dankbarkeit nicht in Schlaf bringen."
So sagend ging sie leichten, obwohl zögernden Schrittesdurch das Zimmer, während sich bei ihrem Vorhaben ihreWange dunkelroth färbte; und zu dem Stuhle des Schläfersschlüpfend, drückte sie einen Kuß auf seine Lippen, so leicht, alswäre ein Rosenblatt darauf gefallen. Der Schlummer mußteleicht gewesen sein, den eine solche Berührung unterbrechenkonnte, und die Träume des Schläfers mußten mit der Ursacheder Unterbrechung im Zusammenhänge stehen, da Harry, so-gleich sich erhebend, das Mädchen mit den Armen umfing undentzückt die Liebkosung zu erwiedern suchte, welche seine Ruheunterbrochen hatte- Aber Katharina widerstand seiner Umar-mung, und da ihr Widerstreben mehr aus besorglicher Züch-tigkeit, als aus falscher Scham zu entspringen schien, so ließsie der schüchterne Liebhaber seiner Umarmung sich entwinden,aus der sie sonst, und wäre sie zehn Mal stärker gewesen, sichnicht hätte befreien können.
„Nein, seid nicht böse, guter Harry," sagte Katharina in