Druckschrift 
15 (1851) Das schöne Mädchen von Perth
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

schaft eines zahmen Löwen sein könnte, der ihr zu Schutz undVertheidigung folgt. Mit Empfindungen der aufrichtigstenDankbarkeit erinnerte fie fich, als sie am Morgen erwachte,der Dienste Harry's im Laufe der ereignißvollcn Nacht, undihr erster Gedanke war, wie sie ihm diese Empfindungen deut-lich machen möchte.

Hastig vom Lager aufstehend und fast über ihren Vorsatzerröthend, sagte sie zu fich selbst:Ich bin kalt gegen ihn ge-wesen und vielleicht ungerecht; ich will nicht undankbar sein,obwohl ich seinen Wünschen nicht entsprechen kann; ich willnicht warten, bis mich mein Vater antrcibt, ihn als meinenValentin für das Jahr zu empfangen; ich will ihn aufsuchenund ihn selbst wählen. Ich, habe andre Mädchen für kühngehalten, wenn sie so etwas thaten; aber ich werde so mei-nen Vater am besten erfreuen und nur gegen den guten St-Valentin den schuldigen Brauch erfüllen, wenn ich mich die-sem täpfern Manne dankbar bezeige."

Eilig warf sie ihre Kleider um, welche indeß nicht ganz inder gewohnten Weise geordnet waren, lief die Treppe hinabund öffnete die Thür des Zimmers, worin, wie sie vermuthete,ihr Liebhaber die Stunden nach dem Gefecht zugebracht hatte.Katharina hielt an der Thür inne und trug fast Bedenken,ihren Vorsatz auszufllhren, der nicht nur erlaubte, sondernsogar erforderte, daß die Valentine des Jahres ihre Ver-bindung mit einem zärtlichen Kusse beginnen mußten. Manbetrachtete es als eine besonders günstige Vorbedeutung, wennder eine Theil den andern schlafend finden konnte, um ihndurch jene interessante Ceremonic zu erwecken.

Nie bot sich eine schönere Gelegenheit, dies geheimnißvolleBand zu knüpfen, als die, welche jetzt Katharina fand. Nachvielen und mannigfachen Gedanken war der muthige Waffen-

Mädch. v. Perth. I. 6