Zweites Kapitel.
Sammtweichen Kuß beut auch ein Mund vom Lande;
Zwar Lady nicht, flichr sie wohl süß're Bande.
Dryden.
Perth, welches sich, wie wir bereits erwähnten, so vielerSchönheiten der unbelebten Natur rühmt, hat zu keiner Zeitderjenigen Reize entbehrt, die zugleich anziehender und vergäng-licher sind. Die Benennung, das schöne Mädchen vonPerth, würde zu jeder Zeit eine hohe Auszeichnung gewesensein und eine nicht geringe Uebermacht an Schönheit voraus-gesetzt haben, da dort so Viele waren, um diesen beneidetenTitel in Anspruch zu nehmen. Aber in den Zeilen des Lehns-wesens, zu denen wir jetzt die Aufmerksamkeit des Lesers hin-lenken, war weibliche Schönheit eine Eigenschaft von höhererBedeutung, als es der Fall gewesen ist, nachdem der ritter-liche Sinn grvßentheilS erlosch. Die Liebe der alten Ritterwar eine Art erlaubten Götzendienstes, welcher, wie man inder Theorie annahm, der Liebe des Himmels allein stet» anInnigkeit nähern konnte, die ihr aber in der Wirklichkeit sel-ten gleichsam. Gott und die Damen wurden gemeinsam ineinem Ai hem angerusen; und Ergebenheit gegen das schöneGeschlecht ward dem Bewerber um die Würden des Nitter-thums ebenso dringend zur Pflicht gemacht, als die, welche erdem Himmel schuldig war. I» diesem Zeitalter war die Machtder Schönheit fast unbeschränkt. Sie konnte den höchsten Rangmit einem unermeßlich niedrigern gleichstellen.
Es war unter der Regierung, welche jener Roberts III.vorherging, daß Schönheit allein ein Weid von niedrigem
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