Wamba trug an diesem Tage eine neue Kappe und einen un-geheuren Schmuck von silbernen Glöckchen. So wie sie Wil-freds Unglück und Gefahren redlich gelheilt hatten, blieben sieauch im Glück seine Theilnehmer und Gefährten.
Außer diesem Dienergefolge wurde diese Hochzeit auch ver-herrlicht durch den Besuch vornehmer Normänner und Sachsen,die den allgemeinen Jubel der nicdern Stände theilten, welchein dieser Verbindung ein Pfand künftigen Friedens zwischenzwei Geschlechtern erblickten, die sich seit der Zeit so vollkom-men vermischt haben, daß sich kein Unterschied mehr erkennen läßt.Cedric lebte noch so lange, die Annäherung dieser Vereinigungzu bemerken; allein erst unter der Regierung Eduards desDritten wurde die vermischte Sprache, die jetzt Englisch heißt,am Hofe zu London gesprochen, so wie auch erst von der Zeitan der feindliche Unterschied zwischen Normannen und Sachsengänzlich verschwunden zu sein scheint.
Am zweiten Morgen nach ihrem Hochzeitstage wurde der LadyRowena von ihrer Zofe Elgitha gemeldet, daß ein junges Mädchenda sei, welches mit ihr ohne Zeugen zu sprechen wünsche. Rowenawunderte sich darüber, wurde aber neugierig, ließ das Mäd-chen hereinkommen und befahl ihren Leuten, sich zu entfernen.
Die Fremde trat ein — eine edle, imposante Gestalt. Derlange weiße Schleier, der sie umfloß, beschattete mehr dieAn-muth und Majestät ihres Wesens, als daß er sie verhüllte. IhrBenehmen war höchst achtungsvoll, doch ohne den mindestenSchatten von Furcht, oder das Bestreben, sich Rowena's Gunstzu erwerben. Rowena war stets bereit, fremde Ansprüche an-zuerkennen und fremde Gefühle zu theilen. Sie stand auf, undwürde sogleich die liebenswürdige Fremde zu einem Sitze ge-führt haben, allein sie sah Elgitha an, und äußerte abermalsden Wunsch, mit Lady Rowena allein zu reden. Elgitha war