Druckschrift 
14 (1851) Ivanhoe
Entstehung
Seite
157
Einzelbild herunterladen
 

157

Entseelten wirklich von einem Nutzen sein können, so hatteer allerdings einiges Recht, sie von den Mönchen des heiligenEdmund zu erwarten, indem außer ein hundert Goldstücken,die als Seelenlösegeld bezahlt worden, Athelstane's Mutterauch noch die Absicht kund gegeben hatte, der Stiftung mitdem besten Theile der Ländereien des Verstorbenen zu Hülfezu kommen, um für ihre Seele, so wie für die ihres verstor-benen Gemahls, immerwährende Gebete zu erhalten.

Richard und Wilfrcd folgten Cedric dem Sachsen in dasTodtengemach, und als ihr Führer mit feierlicher Bewegungauf die frühe Bohre Athelstane's hindeutete, folgten sie sei-nem Beispiele, sich fromm bekreuzend und ein kurzes Gebetverrichtend für die Seele des Verstorbenen.

Nachdem diese Handlungen frommer Liebe vorüber waren,ermahnte sie Cedric abermals, ihm zu folgen, indem er mitunhörbarcm Schritte über die steinerne Flur vor ihnen hin-schritt- Sie stiegen einige Stufen auswärts, dann öffnete erihnen mit großer Vorsicht die Thür zu einem kleinen Orato-rium, welches an die Kapelle anstieß. Es war ungefähr achtFuß im Viereck, und wie jene in die Dicke der Mauer einge-arbeitet. Da das Luftloch, wodurch es beleuchtet wurde, nachWesten zu ging und nach Außen sich erweiterte, so fanden dieSonnenstrahlen durch dasselbe den Weg in die innere Finster-niß und enthüllten hier eine weibliche Gestalt, von würdigemAnsehen, in deren ganzem Wesen noch Spuren einer wahr-haft majestätischen Schönheit sichtbar waren. Ihr langesTrauergewand erhob die Weiße ihrer Haut, so wie die Schön-heit ihres lichten, lang herabfließenden Haares, welches durchdie Zeit weder dünn, noch mit Silber untermischt wordenwar. Ihr ganzes Aeußere drückte den mit Ergebung nurvereinbaren tiefsten Kummer aus. Auf dem steinernen Tische