Druckschrift 
14 (1851) Ivanhoe
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

153

lockten allerlei Töne aus ihren mannigfachen Instrumenten.An Gauklern und Narren war auch kein Mangel, denn dieVeranlassung der Versammlung wurde zu dergleichen Dingengar nicht unpassend gehalten. Die Begriffe der Sachsen wa-ren bei solchen Gelegenheiten eben so natürlich, als ungebil-det. War der Kummer durstig, so trank er, war er hungrig,so er, und wurde das Herz von Gram und Schmerz nie-dergedrückt, so gab eS hier Mittel der Erheiterung, oder we-nigstens der Zerstreuung. Man machte sich durchaus kein Ge-wissen daraus, sich der dargebotenen Trostmittcl zu bedienen,wenn gleich plötzlich hier und da Jemand, der Ursache desBeisammenseins sich erinnernd, mit Andern in lautes Weinenausbrach, worein dann die Weiber mit Hellen Stimmen einfielen.

Dies war die Scene in dem Schloßhofe zu Coningsburgh,als Richard in Begleitung seiner Gefährten eintrat. DerSe-neschall ovcr Steward, der von den Gruppen der Gäste nie-der» Ranges, welche immerfort ab- und zuströmten, keine No-tiz nahm, außer in sofern es zur Erhaltung der Ordnung-thig war, wurde doch durch den edlen Anstand Rtchard's undJvanhoe's aufmerksam gemacht, zumal da ihm die Zuge desLetzter» bekannt zu sein schienen. Ueberdies war die Ankunftzweier Ritter denn für das mußte man sie nach ihrem An-zuge halten bei einer sächsischen Feierlichkeit etwas Selte-nes, und konnte nur als eine dem Verstorbenen und dessenFamilie bewiesene Ehre betrachtet werden. In der schwarzenTracht und mit dem weißen Stabe seines Amtes machte derSteward den Fremden daher sogleich Platz unter dem ver-mischten Haufen der Gäste und führte sie zu dem Eingängedes Thurmes. Gurth und Wamba fanden manche Bekannteauf dem Schloßhofe und drängten sich nicht weiter vor, er-wartend, bis man ihre Gegenwart verlangen werde.