80
süßer Geruch sein, und mit ihrer Hülfe wollen wir dem Zau-ber und der Verführung enigegenwirken, worein sich unserBruder verstrickt hat. Er soll die Banden dieser Delila zer-reißen, wie Simson die neuen Stricke zerriß, womit ihn diePhilister gebunden hatten, aber die schändliche Zauberin, wel-che ihre Bezauberungen bei einem Mitgliede des heiligen Tem-pels angewcndet hat, soll sicherlich des Todes sterben."
„Aber die englischen Gesetze" — sagte der Präceptor, dersich zwar freute, daß der Zorn des Großmeisters sich so glück-lich von ihm und Bois-Guilbert abgewendet habe, doch aberfürchtete, er möge ihn zu weit führen.
„Die englischen Gesetze," erwiderte Beaumanoir, „erlaubenund ermächtigen jeden Richter innerhalb seiner JurisdictionGerechtigkeit zu üben- Der geringste Edelmann kann eineauf seinem Gebiete gefundene Here verhaften und nach derUntersuchung verurtheilen. Wie sollte man dem Großmeisterdes Tempels innerhalb des PräceptoriumS seines Ordensdieses Recht verweigern? Nein! Wir wollen urtheilen undverdammen. Bereite die Schloßhalle zu dem Prozesse derZauberin vor."
Albert Malvoisin verbeugte sich und ging — nicht um Be-fehle zu geben, die Halle in Bereitschaft zu halten, sondernum Bois-Guilbert aufzusuchen, und ihm mitzutheilen, wie dieSachen wahrscheinlich enden würden. Er fand ihn bald,schäumend vor Unwillen wegen einer Zurückweisung, die erwieder von der schönen Jüdin erfahren hatte. „Die Undank-bare," sagte er, „den zurückzuweisen, der unter Blut undFlammen ihr Leben mit Gefahr seines eigenen würde gerettetHaben! Beim Himmel, Malvoisin! ich blieb da, bis Balkenund Sparren um mich her krachten. Ich war das Ziel vonhundert Pfeilen; sie rasselten an meiner Rüstung, gleich Schloßen