befleißigst. Ich frage Dich nochmals nach Deinem Geschäftmit Brian de Bois-Guilbert."
„Ich bin der Ueberbringer eines Briefes an diesen edlenRitter," stammelte der Jude, „von dem Prior Apmer aus derAbtei Jorvaulx."
„Sagt'ich's nicht, cs sind schlechte Zeiten, Conrad," bemerkteder Großmeister; „ein Cisterzienserabt sendet einen Brief aneinen Krieger des Tempels, und kann keinen bessern Botenfinden, als einen ungläubigen Juden! — Gib mir den Brief!"
Mit zitternden Händen legte der Jude die Falten seinerarameischen Mütze auseinander, wo er der größern Sicherheitwegen die Schreibtafel verborgen, worin der Prior den Briefgeschrieben hatte, und eben war er im Begriff, mit ausgestreck-1er Hand und gekrümmtem Leibe sich zu nähern, und denBrief in den Bereich des grimmigen Fragers zu bringen, alsder Großmeister rief: „Zurück, Du Hund! ich berühre nie Un-gläubige, außer mit dem Schwerte. Conrad! nimm Du denBrief von dem Juden und gib ihn mir!"
Als Beaumanoir die Schreibtafel erhalten hatte, besah erdas Aeußere auf's Genaueste, und wollte dann den Faden ab-lösen, womit sie zusammengebundcn war. „Ehrwürdiger Va-ter," sagte Conrad mit vieler Ehrfurcht dazwischen redend,„willst Du das Siegel erbrechen?"
„Warum nicht ?" versetzte Beauman oir mit gerunzelter Stirn;„steht denn nicht im zweiundvierzigsten Kapitel üe leetionslittersi'uin, daß ein Templer keinen Brief empfangen soll, selbstnicht von seinem Vater, ohne ihn dem Großmeister mitzuthei-len und in seiner Gegenwart zu lesen?"
Eilig durchlief er nun den Brief mit dem Ausdruck des Er-staunens und Entsetzens; er durchlaü ihn nochmals langsamer,dann hielt er ihn mit der einen Hand Conraden hin, während er