ten Büßer. Er war von hohem Wüchse, und sein Gang, vonJahren und Anstrengungen nicht niedergedrückt, war stattlichund gerade. Sein weißer Mantel war streng nach der vorge-schricbcnen Form geschnitten; er war genau für seine Staturgemacht, und neigte auf der linken Schulter das dem Ordenkigenthümliche achteckige Kreuz aus rothem Tuche. Kein Her-melin oder dergleichen zierte seine Kleidung, sondern in Hin-sicht auf sein Alter, und als Großmeister trug er sein Gewandmit dem zartesten Lammsselle gefüttert und besetzt, die Wollewar nach außen gekehrt. In der Hand trug er den eigen-thümlichen adscu8 oder Amtsstab, womit die Templer oft ab-gebildet werden, und der am obern Ende eine runde Plattezeigte, auf die das Ordenökreuz eingegraben war, umgebenvon einem Zirkel oder Wappensaume, wie es die Heraldikernennen. Sein Gefährte trug fast in Allem dieselbe Kleidung,nur zeigte er durch seine Rücksichten gegen seinen Obern, daßkeine andere Gleichheit zwischen ihnen bestehe. Der Präceptor,denn das war er, ging nicht in einer Linie mit dem Groß-meister, sondern gerade so weit hinter ihm, daß Beaumanoirmit ihm reden konnte, ohne sich umzuwenden.
„Conrad," sagte der Großmeister, „theurer Gefährte mei-ner Schlachten und Mühen, Deiner treuen Brust allein kannich meinen Gram und Kummer vertrauen. Dir allein kannich sagen, wie ich bei meinem Eintritte in dieses Reich ge-wünscht habe, neben meinen Brüdern zu schlummern, unterden Gewölben der Tempelkirche in jener stolzen Hauptstadt.Du weißt, Bruder, wie streng ich stets gelebt, wie genau ichdie Vorschriften unseres heiligen Ordens befolgt habe, wieLiese Strenge das Mark meiner Gebeine verzehrt hat. —Denke Dir, was ich empfinden muß bei dem Anblick all derAusschweifungen, in denen ich die Brüder unseres Bundes