über das Letztere nicht gerade freute, so konnte man sie dochauch nicht tadeln, wenn sie sich nun des Vortheils bewußtwar, in dem einzigen Punkte, worin ihr Vormund Cedric ihrstets entgegen gewesen war, sich völlig frei zu sehen.
Als Rowena sich Locksley's Sitz näherte, erhob sich der kühneAeoman nebst seinem ganzen Gefolge, um sie zu empfangen.Das Blut stieg ihr in die Wangen, als sie, freundlich mit derHand winkend, und sich tief verbeugend, daß ihr schönes Haar,in reichen Locken herabhängend, sich mit der Mähne ihres Zeltersvermischte, in wenig passenden Worten dem Lockslep und ihrenübrigen Befreiern ihre Dankbarkeit ausdrückte. — „Gott segneEuch, tapfere Männer," so schloß sie ihre Anrede, „daß Ihr Euchso großmüthig der Gefahr auStetztet für die Rettung der Un-terdrückten. Hungert Einen von Euch, so denke er, daß RowenaSpeise hat, dürstet ihn, so har sie manches Faß Wein und brau-nes Bier für ihn — und treiben Euch die Normänner aus die-sem Aufenthalte, so besitzt Rowena Wälder, wo ihre muthigenVertheidigcr sich in voller Freiheit aufhalten können."
„Dank, edle Lady," sagte Lockslep, »Dank für mich undim Namen meiner Gefährten. Euch gerettet zu haben, be-lohnt sich schon von selbst. Wir, die wir im grünen WaldeHausen, thun mancke wilde That, und die Befreiung der La-dy Rowena mag als Ersatz dafür angenommen werden."
Darauf neigte sich die Lady Rowena wieder von ihremZelter nieder und wendete sich, um sich zu entfernen; dochals sie einen Augenblick anhult, während Cedric, der sie be-gleiten wollte, ebenfalls Abschied nahm, sah sie sich unerwartetdicht neben dem Gefangenen de Bracy Er stand unter einemBaume in tiefem Nachdenken, seine Arme über die Brust ge-kreuzt, und Rowena hegte die Hoffnung, unbemerkt vorüber-zukommcn. Doch er blickte auf, und als er sie bemerkte, er-