175
Gewissensbisse ohne Reue, Klagen ohne Hoffnung, Qualender Gegenwart mit dem Vorgefühle einer noch schrecklichen,Zukunft ängstigen. Er verlangte bald dieses, bald jenes, undkam endlich zu einem Selbstgespräch, welches seine Qualennoch vermehrte.
Aus diesem wurde er durch eine widrige Stimme erweckt,die dicht neben seinem Lager seinen Namen rief. Er glaubtedaran einen jener bösen Geister zu erkennen, die, nach demAberglauben der Zeit, das Bett des Sterbenden besuchten,um seine Gedanken vom Himmel abzuziehen. Er schauderte,gewann aber bald seine gewohnte Fassung wieder und fragte:„Wer ist da? Wer bist Du, der cs wagt, meine letzten Au-genblicke zu stören? Tritt hervor, daß ich Dich sehe!"
„Ich bin Dein böser Engel, Reginald Front-de-Bocus,"erwiederte die Stimme.
„Komm, laß Dich sehen in leiblicher Gestalt," fuhr derRitter fort, „denke nicht, daß ich vor Dir erbleichen werde-Könnte ich nur dieser Schauder Herr werden, welche durchmeine Gebeine rieseln, Himmel und Hölle sollten nicht sagen,daß ich den Kampf mit ihnen scheue/'
„Gedenke Deiner Sünden, Front-de-Boeuf! an Aufruhr,Raub, Mord! — Wer reizte den ausschweifenden Johannzum Kriege gegen seinen greisen Vater — gegen seinen edelnBruder?"
„Mögest Du ein Feind, ein Priester oder der Teufel sein,"versetzte Front-de-Boeuf, „Du lügst in Deinen Hals hinein!
— Ich reizte Johann nicht zur Empörung — ich nicht allein
— fünfzig Ritter und Barone mit mir — und bessere Män-ner haben nie die Lanze eingelegt! Und ich allein soll dieSchuld büßen? Falscher Teufel, ich biete Dir Trotz! Geh,