stolzeste Mädchen der Nazarener, das seine Abkunft von ir-gend einem kleinen Oberhaupts des rauhen Nordens ableitet."
Dann blickte ste nach dem Lager des verwundeten Ritters hin.
„Er schläft," sagte sie, „die Natur ist erschöpft durch Lei-den und Schmerz, und der gedrückte Körper ergreift den er-sten Augenblick einer Unterbrechung von jenen, um in Schlum-mer zu sinken- Ach! ist eS ein Verbrechen ihn anzuschauen,wenn es das letzte, letztem«! ist? Ach! nur ein kurzer Zwi-schenraum, und die so schönen Züge werden nicht mehr belebtvon dem kühnen, aufstrebenden Geiste, der ste selbst im Schlafenicht verläßt; die herrliche Gestalt entstellt, gemißhandelt,von dem schlechtesten Knechte in diesem abscheulichen Schlosse,und doch ungebeugt, wenn das Beil des Henkers über ihmschwebt!" — Sie schauderte bei diesem Gedanken. — „Abermein Vater, mein Vater! O schlechte Tochter, wenn Du sei-nes grauen Haars nicht gedenkst bei den goldenen Locken desJünglings. Sind nicht meine Leiden die Vorboten von Je-hova's Zorn über das unnatürliche Kind, der die Gefangen-schaft eines Fremdlings mehr zu Herzen geht, als die des ei-genen Vaters? Welches Juda's Kummer vergißt, und aufdie Anmuth eines Heiden, eines Fremdlings schaut? — Aberich will diese thörichte Neigung aus meinem Herzen reißen,und sollte jede Fiber darüber bluten."
Sie hüllte sich dicht in ihren Schleier und setzte sich ineiniger Entfernung von dem Lager des verwundeten Rittersnieder, mit dem Rücken gegen ihn gewendet, indem sie ihrGcmüth stärkte, oder zu stärken suchte, nicht allein gegen diedrohende Gefahr von außen, sondern auch gegen die verrä-therischen Gefühle, die cs von innen bestürmten.