die schöne Jüdin selbst sich überzeugte, daß der Verband gutliege und die Wunde in gutem Zustande sei. Sie vollzog ihrGeschäft mit so anmuthsvoller und edler Einfalt und Be-scheidenheit, daß dadurch, auch in feinen, gebildeten Zeiten,Alles entfernt worden wäre, was der weiblichen Delicateffewiderstrebend hätte geachtet werden können. Die Vorstellungeines jungen, reizenden, weiblichen Geschöpfs, beschäftigt amKrankenbett oder die Wunden eines Leidenden vom andernGeschlecht behandelnd, verlor sich gänzlich in der eines wohl-thätigcn Wesens, welches durch wirksame Hülfe Schmerzenlinderte und dem Tode ein Opfer entriß. Rebecca gab ihrewenigen und kurzen Anweisungen dem alten Diener in he-bräischer Sprache, und er, der ihr oft schon in ähnlichen Fäl-len zur Hand gewesen war, befolgte sie ohne alle Widerrede.
Die Töne einer unbekannten Sprache, so rauh sie aucheinem andern Munde würden geklungen haben, hatten, da sievon der schönen Rebecca kamen, ganz das Romantische undEinschmeichelnde, was die Phantasie den Zauberformeln zu-schreibt, welche irgend eine wohlthätige Fee ausspricht, un-verständlich zwar dem Ohre, doch, wegen der Milde des Klan-ges und des sie begleitenden, erfreuenden Anblicks, rührendund besänftigend für das Herz. Ohne den Versuch einer fer-uern Antwort zu wagen, duldete Jvanhoe nun schweigend alleMaßregeln, die man zu seiner Herstellung nöthig finden möchte;und erst als man damit zu Ende war, und der reizendeWundarzt sich wieder, wie er gekommen, entfernen wollte,vermochte der Ritter seine Neugier nicht länger zu bezähmen-
„Reizendes Mädchen," sagte er in arabischer Sprache, —denn diese hatte er während seines Aufenthaltes im Morgen-lande erlernt, und er glaubte, daß sie von der Fremden mitdem Turban und Kaftan, welche vor ihm stand, am ersten