Druckschrift 
14 (1851) Ivanhoe
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

Das gute Thier, durch die lange Tagereise unter einemgeharnischten Reiter ganz ermüdet, fand sich durch die schlaf-fen Zügel nicht sobald seiner eigenen Willkür überlassen, alses auch neue Kraft und neuen Muth zu bekommen schien. ESspitzte wieder die Ohren und setzte sich in schnellere Bewegung.Der Weg aber, den das Pferd einschlug, wandte sich immermehr von dem ab, den der Ritter den Tag über eingeschlagcnhatte; allein da er ihm einmal ganz vertrauen wollte, störteer es auch in seinem eigenen Gange auf keine Weise.

Der Erfolg rechtfertigte dieses Vertrauen, denn derFußpfadwurde immer weniger wild und verworren, und der Ton eineskleinen Glöckchens ließ den Ritter vermuthen, daß er sich nunin der Nachbarschaft einer Kapelle oder Einsiedelei befinde-

Er erreichte bald einen offenen Rasenplatz, an dessen entge-gengesetztem Ende ein von einem sanften Abhange sich steil er-hebender Felsen seine graue, vom Wetter zerrissene Stirn demWanderer darbot. Epheu bekleidete seine Seiten an manchenStellen, und an andern kleine Eichen und anderes Gebüsch, des-sen Wurzeln in den Spalten des Felsen Nahrung fanden, unddieses schwankte über dem darunter befindlichen Abgrunde, wieder Federbusch des Kriegers über dem stählernen Helme dem,dessen Anblick Schrecken verursachte, etwas Anmuthiges ver-leihend. Am Fuße des Felsen war eine Hütte erbaut, meistensaus Baumstämmen, in dem nahen Forste gefällt, und gegen dasWetter geschützt durch Ausfüllung der Ritzen und Spalten mitMoos und Lehm. Der Stamm einer jungen Tanne, allerZweige entblößt, an dem, dem obern Ende nahe, ein Querholzbefestigt war, stand aufrecht dicht an der Thür, als ein rohesZeichen des heiligen Kreuzes. In geringer Entfernung zurRechten sickerte eine Quelle klares Wasser aus dem Felsen undwurde in einem hohlen Steine aufgefangen, welcher einem