farbig, war auf phantatische und anmuthigc Weise in zahl-reiche Ringellocken vertheilt, so daß man wohl sah, die Kunstsei hier der Natur zu Hülfe gekommen. Diese Locken warenmit Edelsteinen dnrchwirkt, und da sie dieselben in ihrer vol-len Länge trug, so wurde dadurch die edle Geburt, die unab-hängige Lage des Mädchens angedentet. Eine goldene Kette,woran eine kleine Reliquie von demselben Metall befestigt war,hing an ihrem Halse. Sie trug Armbänder um ihre bloßenArme. Ihre Kleidung bestand in einem Unterkleid und Mie-der von blasser meergrüner Seide, worüber ein langes weitesGewand hing, welches bis auf de» Boden reichte und sehrweite Aermel hatte, die aber nur wenig über den Ellenbogengingen. Dieses Gewand war carmosinroth und ans der feinstenWolle verfertigt. Ein seidener, mit Gold durchwebter Schleier waran dem ober» Theil desselben befestigt, welcher nach Gefallen ent-weder nach spanischer Sitte über Gesicht und Busen gezogen, oderwie eine Art Draperie um die Schultern gelegt werden konnte.
Als Rowena bemerkte, daß des Tempelritters Augen mit ei-ner Glnth auf sic gerichtet waren, die, verglichen mit den dunk-len Hohlen, in denen sie sich bewegten, ihnen die Wirkung ent-zündeter Steinkohlen verlieh, zog sie mit Würde den Schleierum ihr Gesicht, als eine Andeutung, daß die entschlossene Frei-heit ihres Blicks ihr unangenehm sei. Cedric bemerkte die Be-wegung und die Veranlassung derselben. „Herr Templer,"sagte er, „die Wangen unserer sächsischen Mädchen haben zuwenig von der Sonne gesehen, um sie in den Stand zu setzen,den festen Blick eines Kreuzfahrers ausznhalten."
„Wenn ich gefehlt habe," versetzte Sir Brian, „so bitte ichum Eure Verzeihung — das heißt, ich bitte um Lady Rowe-na's Verzeihung — denn tiefer kann meine Demuth sich nichterniedrigen."