15
waren von dem besten flandrischen Tuch, und sie legten sichin weiten, aber nicht ungraziösen Falten um eine schöne, ob-gleich etwas corpulente Person- Sein Gesicht trug ebensowenig Zeichen der Selbstverläugnung, als sein Kleid Verach-tung weltlichen Glanzes andeutete. Seine Züge würde manhaben schön nennen können, hätt' nicht unter seinem Angen-lide jenes schlaue, epicnräische Blinzeln gelauscht, welches denvorsichtigen Wollüstling andeutet. In anderer Hinsicht hattenStand und Verhältniß ihm eine schnelle Herrschaft über seineGesichtszüge gelehrt, die er nach Gefallen zu einem feierlichenAusdruck zusammenziehen konnte, obgleich sie gewöhnlich nurgutgelaunte, gesellige Nachsicht andenteten- Trotz den klöster-lichen Regeln und den Edicten der Päpste und Concilien, wa-ren die Aermel dieses Würdenträgers untcrgefüttert und mitkostbarem Pelzwerk aufgeschlagen, sein Mantel am Halse voneinem goldenen Haken zusammengehalten, und die ganze zuseinem Orden gehörige Kleidung so sehr veredelt und verziert,wie die einer schönen Qnäckerin des heutigen Tages, die, wäh-rend sie das Costüm ihrer Secte beibehält, der Einfachheitdesselben durch die Wahl des Stoffes und die Art, wie siedasselbe anlegt, eine gewisse anziehende Coquetterie zu gebenweiß, die nur zu sehr an die Eitelkeiten der Welt erinnert.
Dieser würdige Geistliche ritt ein wohlgenährtes, raschesMaulthier, dessen Reitzeug schön geschmückt und dessen Zaum,nach der Mode jener Zeit, mit silbernen Schellen verziert war.In seiner Haltung zeigte er nichts Linkisches, sondern vielmehrdie leichte und gewohnte Grazie eines geübten Reiters- Frei-lich schien der ritterliche Mönch sich des Maulthiers nur aufReisen zu bedienen, so gut das Thier auch zugeritten seinmochte. Ein Laienbruder, der ihm folgte, führte zu seinemGebrauche bei andern Gelegenheiten einen der schönsten spa-