188
seinen weiten Hosen von schneeweißer Farbe, mit seinem Gür-tel von scharlachener Seide, ohne alle andere Auszeichnung,hätte Saladin unter seiner Leibwache als der am einfachstengekleidete angesehen werden können. Aber bei näherer Beob-achtung bemerkte man an seinem Turban jenen unschätzbarenEdelstein, welcher von den Dichtern „das Meer des Lichtes"genannt wurde; der Diamantring, auf dem sein Siegel ein-gegraben war, und den er am Finger trug, war vermuthlichalle Juwelen der englischen Krone werth, und ein Saphirauf dem Griff seines Cangiar war von keinem geringerenWerthe. Es muß noch bemerkt werden, daß der Sultan, umsich vor dem Staub zu schützen, welcher in der Nähe des todtenMeeres der feinsten Asche gleicht, oder vielleicht auch ausmorgenländischem Stolz eine Art Schleier an seinem Turbantrug, was seine edlen Züge zum Theil verhüllte. Er ritt ei-nen milchweißen Araber, der ihn trug, als wenn er seine edleBürde kenne, und stolz darauf sei-
Hier waren keine weiteren Einführungen nöthig. Die beidenheldenmüthigcn Herrscher, denn das waren beide, stiegen zu-gleich vom Pferde, und während die Truppen hielten und dieMusik plötzlich schwieg, gingen sie einander unter tiefem Schwei-gen entgegen, und nach einer höflichen Verbeugung von beidenSeiten umarmten sie sich als Brüder und Gleiche. Der Glanzund der Aufwand von beiden Seiten wurde nicht mehr beach-tet; man sah nur Richard und Saladin, und auch sie hattennur Einer für den Andern Augen. Die Blicke, womit Richardden Sultan betrachtete, drückten jedoch eine größere Neugieraus, als die, welche Saladin auf Richard heftete. Der Sul-tan unterbrach zuerst das Schweigen.
„Der Melech Ric ist Saladin willkommen, wie es das Wasserder Wüste ist! Ich hoffe, daß dieses zahlreiche Gefolge ihm