sie sich in der fürchterlichen Wildniß sah mit einer Begleitung,die nur einem kleinen Punkte auf der ungeheuren Fläche glich,und als sie erwog, daß sie nur so weit vom Lager Saladinsentfernt seien, um im Augenblick von einer zahlreicheren Schaardes Sultans überrascht und aufgehoben zu werden, falls derHeide treulos genug sein sollte, eine so verführerische Gelegen-heit zu benutzen. Aber als sie Richard diesen Verdacht zeigte,wurde derselbe mit Mißfallen und Verachtung verworfen. „Eswäre mehr als Undankbarkeit," sagte er, „an Treu und Glau-ben des edelmüthigen Sultans zu zweifeln."
Jedoch die nämlichen Zweifel und Besorgnisse erneuerten sichmehr als einmal, nicht nur in dem furchtsamen Gemüth derKönigin, sondern auch in der festeren und edleren Seele der EdithPlantagenet, die keinen so großen Glauben zu den Muselmännernhatte, um sich vollkommen sicher zu fühlen, während sie in derMacht derselben war; und ihr Erstaunen würde geringer gewesensein als ihr Schrecken, wenn die Wüste ringsum von dem Geschreiertönt hätte: „Allah hu!" und wenn eine Schaar arabischerReiter gegen sie losgestürzt wäre wie Geier auf ihre Beute.Diese Besorgniffeverringerten sich nicht, als sie gegen die Abend-zeit einen arabischen Reiter mit Turban und langem Speerbemerkten, der auf einer geringen Anhöhe lauerte wie ein inder Luft schwebender Falke, und der bei dem Erscheinen desköniglichen Zuges plötzlich mit der Schnelligkeit davonschoß,mit welcher jener Vogel unter den Wind hinschießt und ausdem Gesichtskreis verschwindet.
„Wir müssen nah am Ziele sein," sagte König Richard;„und jener Reiter ist einer von Saladins Vorposten — michdünkt, ich höre das Getön der maurischen Hörner und Cym-beln. Stellt euch in Ordnung, Cameraden, und nehmt festund männlich die Damen in die Mitte."